Nachlese zu „(Wie) geht öko?“| Ein inspirierender Abend unserer Projekte des Wandels-Reihe in Kooperation mit Smart City Salzburg

Unser ökologischer Fußabdruck ist noch immer viel zu hoch. Wie könnte ein nachhaltiger Lebensstil gelingen? Was braucht es dazu und wie gewinnen wir damit mehr Lebensqualität? Diesen Fragen stellten wir uns in einem inspirierenden Abend der Projekte des Wandels-Reihe in Kooperation mit Smart City Salzburg. Zu Gast waren die Berliner Autorin Ute Scheub, die Youtuberin Svena Preuster alias „Fräulein Öko“, die „Ich habe genug“-Expertin Kim Aigner sowie Susanne Bolte, Koordinatorin der Green WG Challenges der Universität Salzburg. Sie diskutierten mit Stadträtin Martina Berthold über Anregungen für ein nachhaltiges Leben und was Städte dazu beitragen können. Der Abend ist nachzuverfolgen auf JBZ TV. Hier ein kurzer Bericht.

Ute Scheub: Das menschliche Maß finden, Ernährungs- und Wohnwende angehen, alle Sinne ansprechen, Gemeinschaften fördern
Als ersten Gast begrüßte Hans Holzinger, Moderator der JBZ-Reihe „Projekte des Wandels“, Ute Scheub, zugschaltet aus Berlin. Ute Scheub ist Mitbegründerin der Berliner Tageszeitung „taz“ und Autorin zahlreicher Öko-Bücher. Zuletzt erschienen von ihr im oekom-Verlag: „Terra Preta“, „Die Humusrevolution“ – zwei Plädoyers für regenerative Landwirtschaft -, „Abschied vom Größenwahn. Wie wir zu einem menschlichen Maß finden“ (gemeinsam mit Christian Küttner) sowie „B.A.U.weisen – weise bauen. Mit der Natur für die Menschen. 40 Jahre Bund Architektur und Umwelt e.V.“. In ihrem Referat betonte Scheub, dass Lebensqualität und Lebenszufriedenheit viel mit der Möglichkeit gemeinsamen Handelns zusammenhängen („Gruppen machen uns glücklich“). Wichtig sei die Rückkehr zu einem menschlichen Maß in der Stadt- wie der Lebensplanung sowie Naturerfahrung. Der lokalen Ebene, den Kommunen und Stadtteilen käme dabei eine wichtige Rolle zu. Gesundheit und Wohlbefinden erfordern wohldimensionierte Bauten, qualitätsvolle öffentliche Plätze, die Abwesenheit von Lärm sowie möglichst viel Grün in der Stadt, so die Autorin. Lebensqualität entstehe dort, wo „alle Sinne angesprochen werden“.

Im Vortrag schilderte Scheub einige innovative Beispiele aus ihrem Buch „Abschied vom Größenwahn“: Fahrradstädte in Dänemark oder Holland, Flaniermeilen in Innenstädten, etwa das Bestreben der Pariser Bürgermeisterin, die Innenstadt der Metropole vom Autoverkehr freizubekommen, eine dem menschlichen Maß angepasste Architektur. Attraktive Wohnanalagen, öffentliche Begegnungsräume sowie Möglichkeiten des gemeinsamen Handelns würden das Wohlbefinden der Menschen steigern, das Vertrauen in die Demokratie stärken sowie helfen, resiliente Strukturen zu schaffen, so das Fazit von Scheub. Wichtig sei auch eine Neuorganisation der Versorgung mit qualitätsvollen Lebensmitteln. So habe der Berliner Ernährungsrat berechnet, dass ein 110 km Radius um Berlin für eine bio-regio-saisonale Ernährung der gesamten Berlin-Brandenburger Bevölkerung von rund 6 Mio. reichen würde. Mit Projekten der Permakultur sowie des Urban Gardening ließen sich Klimaschutz und Ernährung verbinden. Scheub zitierte in diesem Zusammenhang die „planetarian health dieth“, die der Umweltwissenschaftler Johan Rockström mit einem Expert:innen-Team erstellt hat. Mit viel Gemüse, Obst und Nüssen, ergänzt um einen kleinen Anteil an Milch- und Fleischprodukten ließe sich die Weltbevölkerung gut ernähren, ohne das Klima und die Böden weiterhin zu belasten.

Svenja Preuster: Bewusst kaufen, Teilen und Tauschen, Selber machen und das Leben genießen
Da schloss die Pädagogin und Youtuberin Svenja Preuster aus Friedberg in Hessen an, die in ihren Videos Anregungen für einem nachhaltigen Lebensstil gibt: Ob Second hand-Kleider, selbstgemachte Parfüms oder das gemeinsame Nutzen von Geräten – es gäbe viele Möglichkeiten, der Umwelt zu helfen und zugleich Geld zu sparen. Wichtig sei, sich zu fragen, was ich wirklich brauche zu einem guten Leben, so die Anhängerin eines minimalistischen Lebensstils. Ihre Videos (hier der Link) verzeichnen hohe Zugriffe, was zeigt, dass das Interesse an praktischen Dingen, die wir in unserem Alltag anders machen können, steigt. Persönliche Verhaltensänderung soll dabei nicht gegen politisches Engagement ausgespielt werden, so Preuster. Wichtig sei aber, sich nicht auszupowern und die Lebensfreude nicht zu verlieren, denn so verliere man auch die Kraft für Engagement. Als Feedbacktool für seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck empfahl Preuster die Homepage „Ein guter Tag hat 100 Punkte.“

Kim Aigner: Die „Ich habe genug“-.Kampagne mit einem Lebensstilaufruf und Nah- und Fernkursen des Vereins SOL
Kim Aigner vom Verein SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil mit Sitz in Wien und Regionalgruppen in ganz Österreich informierte über die „Ich habe genug“-Kampagne ihrer Initiative. Das Motto „Ich habe genug“ wird darin in drei Variationen durchgespielt: Bezogen auf den persönlichen Konsumstil: „Ich HABE genug. Ich muss nicht immer mehr haben. Und die wirklich guten Dinge im Leben gibt es ja ohnehin umsonst“, bezogen auf die Gesellschaft und die politische Ebene: „Ich habe GENUG! Ich fordere eine bessere Welt. Mit Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich und einer intakten Umwelt“, schließlich bezogen auf das gemeinsame Handeln: „ICH habe genug… Phantasie und Kraft. Gemeinsam mit Gleichgesinnten bewege ich etwas.“ In der Kampagne sowie in dem dazugehörigen einjährigen Lehrgang, der als Fern- und Nahkurs angeboten wird, gehe es auch , so Kim Aigner, um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wachstumsdenken sowie um die Förderung einer Suffizienzpolitik. Bezogen auf den Konsum bräuchten wir nicht nur andere, nämlich nachhaltig und fair produzierte Güter, sondern auch den Übergang zum „Weniger“, womit sie eine Brücke zu ihren Vorrednerinnen schlug. Auch Kim Aigner hatte einen Tipp für

Susanne Bolte: Erfahrungen von den Green WG Challenges Salzburger Studierender
Um Bewusstseinsbildung und das Erfahrbar-Machen eines nachhaltigen Lebensstils ging es auch im vierten Impulsreferat des Abends. Susanne Bolte ist Umweltpsychologin und Mitglied bei PLUS Green Campus, der Nachhaltigkeitsinitiative der Universität Salzburg. Sie berichtete über das von ihr koordinierte Projekt „Green WG Challenge“, in dem die grünsten Studierenden-Wohngemeinschaften Salzburgs gekürt werden. Zehn Wochen lang beschäftigen sich Studierende, die in WGs wohnen, gemeinsam mit Themen der Nachhaltigkeit. Es gibt Infoabende, Diskussionsrunden sowie Projekte, die von den Teilnehmenden umgesetzt werden. Im Zentrum steht das Experimentieren mit ökologischen Verhaltensweisen. Auch Susanne Bolte betonte, dass es wichtig sei, Erfahrungs- und Reflexionsräume über nachhaltige Lebensstile zu schaffen, um vom Wissen ins Tun zu kommen.

Stadträtin Martina Berthold: Lebensqualität in der Stadt mit Klimaschutz verbinden
Martina Berthold, die als Stadträtin für Smart City Salzburg verantwortlich ist, betonte, dass dieses Programm neben den notwendigen technologischen Innovationen wie den Umstieg auf Erneuerbare Energieträger auch Fragen der Bewusstseinsbildung und eines nachhaltigen Lebensstils umfasse. Die Lebensqualität in einer Stadt hänge wesentlich zusammen mit der Qualität der öffentlichen Räume, der Gestaltung von Grünflächen und der gerechten Verteilung des öffentlichen Raums, um mehr Platz für Fußgänger:innen und Radfahrenden zu schaffen. Salzburg sei dabei, im Rahmen von Klimaanpassungsmaßnahmen mehr Bäume und Wassersickerflächen im Sinne einer „Schwammstadt“ zu schaffen. Öffentliche Plätze werden auch klimafit gestaltet und sollen konsumfreie Bereiche bieten. Neben Dachbegrünungen würden auch die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf den Dächern aller städtischen Gebäuden geprüft. Bürgerräte gäbe es bereits in der Stadt Salzburg, ein Ernährungsrat nach dem Berliner Modell sei zu überlegen. Als eine zentrale Herausforderung für die Stadt Salzburg bezeichnete Berthold die Mobilität, die nach weiteren neuen Lösungen im Sinne einer Reduktion des Autoverkehrs zugunsten des ÖV, des Rad- und Fußgängerverkehrs verlange. Als Stadträtin bedankte sie sich für die inspirierenden Inputs und Anregungen aller Referentinnen.

Diesem Dank schließen wir uns gerne an und freuen uns auf die nächste Kooperation mit Smart City Salzburg im Herbst zum Thema „(Wie) geht Energiegemeinschaft“ (Der Termin wird erst festgelegt). Dank gilt auch dem Smart City Team um Nina Mostegl und Josef Reithofer für die gemeinsame Sondierung der Veranstaltungsthemen sowie meiner Kollegin Carmen Bayer für die Betreuung der Technik und des Chat. Weil danach gefragt wurde, hier noch der Link zum Ökologischen Fußabdruckrechner des Österreichischen Klimaministeriums sowie jener zum Salzburger Atlas für nachhaltige Entwicklung, der von der JBZ betreut wird.

Moderation und Bericht: Hans Holzinger

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.