MR 151 | 14.9.2020 | Der Abstieg des Westens

Nach dem Ende des Kalten Kriegs wurde vom Politikwissenschaftler Francis Fukuyama das „Ende der Geschichte“ propagiert. Damit meinte Fukuyama, dass sich durch den Sieg „des Westens“ Demokratie und Marktwirtschaft nun endgültig und weltweit durchsetzen würden. Drei Jahrzehnte später wirkt diese Prognose stark verfehlt und viele Autorinnen und Autoren sprechen gar von einem bevorstehenden oder gar bereits vonstattengehenden Untergang „des Westens“. Geopolitisch erwachsen der NATO neue Konkurrenten in Asien, wirtschaftlich wird die liberale Marktwirtschaft von staatlich gelenktem Kapitalismus untergraben, normativ befindet sich die Demokratie in der Krise und auch kulturell wird das bisherige Monopol des Westens in Frage gestellt. Yannick Stiller von der Abteilung Politikwissenschaft der Universität Salzburg möchte mit Ihnen diese Untergangsszenarien diskutieren und auch einen Blick in die Zukunft wagen: was kommt nach „dem Westen“?

– 151. JBZ-Montagsrunde: „Der Abstieg des Westens“ Impuls: Yannick Stiller (Politikwissenschaftler, Salzburg). Montag, 14. September 2020, 19.30 Uhr. Ort: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Strubergasse 18/2, 5020 Salzburg.

Die Veranstaltung wird auch gestreamt im Zoom-Raum 864 224 5575. Ist die Veranstaltung vor Ort nicht zulässig, wird nur der Stream angeboten. Die Angemeldeten werden rechtzeitig informiert.

Anmeldungen sind hier möglich. Der Eintritt ist frei.

MR 150 | 24.8.2020 | Die gängigsten Klima-Mythen und deren politische Bedeutung

Kann Österreich als kleines Land nichts gegen die Klimakrise tun? Ist China am Klimawandel schuld? Reicht Freiwilligkeit, um das Klima zu retten oder braucht es doch einen Preis für CO2? Ist dieser dann tatsächlich unsozial? Die Debatte über den Klimaschutz wird hitzig geführt. Oft wird dabei auch mit falschen Behauptungen und Zahlen argumentiert. Wann sollte man misstrauisch werden und wie kann wirksamer Klimaschutz funktionieren?
Der Politologe Reinhard Steurer (BOKU Wien) beleuchtet in dieser Montagsrunde einige der gängigsten Mythen der Klimakrise. Er zeigt auf, warum diese in die Irre führen und dabei Klimapolitik verhindern.

– 150. JBZ-Montagsrunde: „Die gängigsten Klima-Mythen und deren politische Bedeutung.“ Impuls: Reinhard Steurer (Politikwissenschaftler, BOKU Wien). Montag, 24. August 2020, 19.30 Uhr. Ort: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Strubergasse 18/2, 5020 Salzburg.

Die Veranstaltung wird auch gestreamt im Zoom-Raum 864 224 5575.  Ist die Veranstaltung vor Ort nicht zulässig, wird nur der Stream angeboten. Die Angemeldeten werden rechtzeitig informiert.

Die Diskussion findet im Rahmen der Klimapartnerschaft „Salzburg 2050 statt.

Zum Stadtwerk kommt man mit dem O-Bus mit der Linie 2 (Haltestelle Gaswerkgasse oder Roseggerstraße), Linie 4 (Haltestelle Stadtwerk Lehen), Linie 7 (Haltestelle Strubergasse). Die S-Bahn Station Mülln ist nur fünf Gehminuten entfernt. 

Anmeldungen sind hier möglich. Der Eintritt ist frei.

PW 48 | Rette sich, wer kann? Die Grenzen unserer Solidarität | 15.9.

Seit Ausbruch der Corona-Krise wird Solidarität beschworen – doch diese ist stark begrenzt. Staaten agieren weitgehend lediglich auf nationaler Ebene – selbst die Zusammenarbeit in der EU scheint schwierig, sobald diese etwas kostet – und manche Menschen sind stärker von der Krise sowie ihren Folgen betroffen als andere. Die Situation von Asylwerber*innen wird kaum mehr diskutiert oder angesichts der alles überlagernden Corona-Thematik abgetan. Mit dieser Veranstaltung wollen wir den Blick bewusst auf jene Menschen lenken, die aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden sind: Wie ist die aktuelle Situation in den Flüchtlingslagern? Wo liegen die Grenzen unserer Solidarität und warum verfallen wir so leicht in einen Krisennationalismus?

Dazu diskutieren der Friedens- und Konfliktforscher Werner Wintersteiner, Monika Gattinger und Kateřina Šrahůlková ( Letztere angefragt) von Ärzte ohne Grenzen sowie Claudia Prantl von der Caritas Salzburg.

Begrüßung: Kristina Langeder-Höll (Friedensbüro Salzburg). Hinführung zum Thema: Birgit Bahtic-Kunrath (JBZ), Moderation: Helmut P. Gaisbauer, ifz.

15. September 2020, 18:00 – 19:30
Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Strubergasse 18, 5020 Salzburg

Eine Kooperation von Friedensbüro Salzburg, Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen und ifz – internationales forschungszentrum für soziale und ethische fragen“ anlässlich des Weltfriedenstag 2020. Die Veranstaltung wird online übertragen. Den Link gibt es nach der Anmeldung. Ob auch eine Publikumsveranstaltung möglich sein wird, richtet sich nach den für Herbst geplanten COVID 19-Vorgaben.

Eine Veranstaltung in der Reihe

ZB 57 | Sepp Eisenriegler: Ist Kreislaufwirtschaft möglich? Aktionsprogramm der EU, Reparaturbonus, Repair Cafes | 21.9.

In dem von Sepp Eisenriegler herausgegebenen Buch „Kreislaufwirtschaft in der EU. Eine Zwischenbilanz“ (Springer-Verlag) vermitteln ExpertInnen der EU, des Konsumentenschutzes sowie der Wissenschaft den aktuellen Stand der Bemühungen, der linearen Verschleißwirtschaft den Kampf anzusagen und Wege in eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft einzuschlagen. Wir stellen das Buch mit dem Herausgeber vor, diskutieren mit ihm Vorschläge für eine reparaturfreundliche Wirtschaft sowie Prüfmethoden gegen frühzeitige Obsoleszenz, an denen der Experte gerade arbeitet. Weitere Mitwirkende: Andrea Hohenwarter, Christian Reisinger (Repair Café Salzburg), Angelika Brunner (Reparaturbonus Land Salzburg), Jürgen Wulf-Gegenbauer (Amtsleiter Abfallservice Stadt Salzburg).
Mo. 21. September 2020 | 19.00 Uhr | Robert-Jungk-Bibliothek, am Robert-Jungk-Platz Struberg. 18, 5020 Salzburg. In Kooperation mit dem Repair Café Salzburg. Moderation: Mag. Hans Holzinger (JBZ), Co-Autor des Bandes. Wir empfehlen frühzeitige Anmeldung Die Veranstaltung wird online übertragen. Den Link gibt es nach der Anmeldung. Ob auch eine Publikumsveranstaltung möglich sein wird, richtet sich nach den für Herbst geplanten COVID 19-Vorgaben.

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„1000 Kraniche“ | Musiktheater anlässlich „75 Jahre Hiroshima“ | Robert Jungks „Strahlen aus der Asche“ neu aufgelegt | JBZ-Buch „Sonne statt Atom“ informiert über die Geschichte der Bombe

Die japanischen Götter erfüllen jedem und jeder einen Wunsch, der oder die 1000 Kraniche aus Papier faltet. – Vor 75 Jahren, am 6. August 1945, ließen die Amerikaner eine Atombombe auf Japan fallen. In Hiroshima lebte das Mädchen Sadako Sasaki und erkrankte infolge der Verstrahlung an Leukämie. Sie faltete Kraniche und wünschte sich so sehr, die Krankheit zu überwinden. Aus Briefen, Dokumenten, Bildern und Berichten von Zeitzeugen entstand unter der Regie von Sybrand van der Werf  Rainer O. Brinkmann Dramaturgie ein packendes neues Stück Musiktheater.

Am 9., 15., 23. und 30. August in der Großen Universitätsaula, 15 – 16 Uhr. Im Rahmen von 100 Jahre Salzburger Festspiele. mehr

Robert Jungks „Strahlen aus der Asche“ wurde 2019 bei Rowohlt neu aufgelegt.

Mehr zur Geschichte der Atombombe sowie der Atomenergienutzung findet sich im Band „Sonne statt Atom. Robert-Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung seit den 1950er-Jahren bis heute“ von JBZ-Mitarbeiter Hans Holzinger. Mit einem Ausblick auf die Energieversorgung im 21. Jahrhundert sowie einer Zeittafel zu „Atom“.

Was kommt danach? 26 | „Über Tiere“ von Elias Canetti mit Petra Nagenkögel

Petra Nagenkögel ist Schriftstellerin und leitet den Literaturverein „prolit“. Sie lebt in Wien. Zu ihren Publikationen zählen die Romane „Dahinter der Osten“ und – 2019 bei JUNG und JUNG erschienen – „DORT. Geografie der Unruhe.“ Eines ihrer politischen Anliegen sind Tierrechte.

Im Gespräch mit Hans Holzinger benennt sie das Reflektieren des Verhältnisses zwischen Tier und Mensch, die Verortung des Menschen in der Welt und das Hinterfragen des Anspruchs, die „Krone der Schöpfung“ zu sein, als wichtige Momente, um die aktuellen Krisen etwa der Umweltzerstörung oder der Pandemie verstehen zu können. Anregungen dazu holt sie sich bei Elias Canettis „Über Tiere“. Den Schlachthof sieht Nagenkögel als jenen Ort, der die kapitalistische Verwertungslogik in krasser Form zum Ausdruck bringt: Tiere werden als Ware behandelt, aus denen Profit geschlagen wird, und nicht als lebende Wesen und Mitgeschöpfe wahrgenommen. Zudem werden die Arbeiter in den Schlachthöfen ausgebeutet.

Das könnte man aus „Über Tiere“ von Elias Canetti lernen,
sagt Petra Nagenkögel:
In der Coronakrise sollten wir …
… zum Anlass nehmen, unsere Beziehung zu Natur, Tieren und Leben neu zu denken. Den Menschen als „Krone der Schöpfung“ zu sehen, hat sich überholt, nicht zuletzt durch die zerstörerische Kraft der sogenannten menschlichen Zivilisation, die sich letztlich auch gegen die Menschheit selbst richten wird. Es wird darum gehen, uns als Teil des Ganzen zu begreifen, eine empathische Beziehung zum „Anderen“ zu entwickeln und Formen des Wirtschaftens, die nicht auf Ausbeutung basieren. Schlachthöfe sind der Inbegriff kapitalistischer Verwertungslogik. Von Canetti können wir lernen, dass die Beziehung zu Tieren das Potential hat, uns „zu Menschen“ zu machen.

  Das ist wichtig, weil ….
… wir erstmalig in der Evolutionsgeschichte an dem Punkt sind, über das eigene Überleben zu entscheiden. Aber auch, weil die profitorientierte, kapitalistischer Wachstumslogik unterworfene Verdinglichung  und Vernutzung von Natur und Tieren einer sich als „human“ und „fortschrittlich“ bezeichnenden Gesellschaft zutiefst unwürdig ist. Entsprechende Veränderungen in unserem Konsumverhalten sind wichtig, aber wohl nicht ausreichend. Es braucht eine juristische Formulierung und politische Umsetzung von Tierrechten und Naturrrechten, analog den Menschenrechten.

Ob es dafür Chancen aufgrund der Pandemie gibt, ….
… ist im Moment kaum abzusehen, aber immerhin zu hoffen.

Angesprochen auf die Rolle von uns als Fleischkonsumenten und damit unsere Verstrickung in die industrialisierte Massentierhaltung, argumentiert Nagenkögel, dass es Aufgabe der Politik sei, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dem Tierleid ein Ende setzen. Sie plädiert für die Verabschiedung von Tierrechten analog den Menschenrechten – und generell für die juristische Verankerung von Rechten der Natur. Vier Fünftel der weltweiten landwirtschaftlich genutzten Fläche dienen dem Anbau von Futtermitteln, 72 Billionen Tiere würden jährlich weltweit getötet für den Verzehr durch den Menschen. Uns sei der Begriff dafür verloren gegangen, der Begriff für Körper, für Leben, für das einzelne Wesen. Ein erster Schritt wäre daher, zumindest die Massentierhaltung und dieses Massenschlachten zu verbieten, konsequent wäre jedoch der Übergang zu einer veganen Ernährungsweise.

Bei Elias Canetti könne man, so Nagenkögel, sehr früh nachlesen, was dieses gestörte Verhältnis zwischen Mensch und Tier mit einer Gesellschaft mache. In seiner Autobiografie beschreibe Canetti einen Besuch in einem Schlachthaus als prägende Urszene seiner Kindheit, die ihn zeit seines Lebens nicht losgelassen habe. Eine Erfahrung, die Nagenkögel mit dem Autor teilt. Canetti habe die Beziehung zu Tieren als besondere Bereicherung gesehen, nicht im Sinne von Identifikation, sondern im Sinne der Andersheit, des nicht überbrückbaren Fremden an Tieren. Erst dadurch erfahre sich der Mensch in seinem Menschsein. Immer wieder thematisiert wird bei Canetti (und das seit den 40er Jahren) der Verlust an Vielfalt durch das Artensterben, wobei er diesen Verlust primär als einen für die Menschheit begreift. Als Menschen würden wir genau dieses Erleben von Vielfalt und Andersheit brauchen, um kreativ und lebendig sein zu können. Nachzulesen sind diese Texte in der 2002 von Brigitte Kronauer herausgegebenen Publikation „Über Tiere“, die Arbeiten des Philosophen und Schriftstellers zum Thema Tier und Mensch versammelt.

Das Video endet mit einem Appell, sich für Tierrechte einzusetzen – eine Möglichkeit in Österreich ist aktuell die Unterstützung eines Tierschutzvolksbegehrens.

Zur Videoreihe „Was kommt danach?“
In Zeiten der Krise leistet auch die JBZ ihren Beitrag. Wir wollen helfen, dass wir ins Gespräch kommen über die Zeit nach Corona. Was kommt danach? Zu diesem Zweck haben wir in unserem Gedächtnis aber auch in unseren Datenbanken gekramt. Seit vielen Jahren lesen wir Zukunftsbücher, fassen sie zusammen und machen so die Inhalte vielen Menschen zugänglich. Nun: Welche dieser Bücher enthielten wichtige Ideen, die wir jetzt hervorholen sollten? Dazu fragen wir Kolleginnen und Kollegen sowie Autoren und Autorinnen, die in der JBZ zu Gast waren. Alle Videos: https://www.youtube.com/playlist?list…

„Gofair Salzburg“ | Homepage für Entwicklungszusammenarbeit

Auch 2020 wurde die JBZ wieder vom Land Salzburg beauftragt, die Homepage „Gofair Salzburg“ zu betreuen. Diese informiert über die Entwicklungszusammenarbeit des Landes Salzburg, über einschlägige Initiativen und Gruppen sowie über Fördermöglichkeiten für EZA-Projekte. Aktuell wurde eine Serie über Corona in Partnerländern online gestellt. Die Homepage wird von Hans Holzinger, Mitglied des Entwicklungspolitischen Beirats des Landes, betreut. Übrigens: Knapp eine Million Euro gibt das Land Salzburg 2020 für Entwicklungszusammenarbeit aus, wie Landesrätin Andrea Klambauer kürzlich verlautbarte. mehr

Für November 2020 organisiert die JBZ im Auftrag des Landes Salzburg eine Tagung „Zukunft Entwicklung“.

JBZ-Newsletter August 2020

Um Klimamythen geht es in der nächsten Montagsrunde (24.8). Im September folgen weitere aktuelle Themen. Mehr dazu im neuen Monatsplakat. Spannend wird auch wieder das Science meets fiction-Festival (28.9-10.10.) mit Partnereinrichtungen sowie das Programm der MethodenAkademie (ab 18.9.). Rückblicke auf vergangene Veranstaltungen und Infos zu einem neuen Arbeitspapier gibt es ebenfalls in diesem Newsletter. Nach wie vor gut läuft JBZ TV, auf dem unsere Vorträge sowie Gespräche unserer Reihe „Was kommt danach?“ angesehen werden können. Im Gedenken an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki verweisen wir auf den ORF-Atomschwerpunkt mit JBZ-Gastautorin Judith Brandner. Download

ORF-Beiträge von JBZ-Gastautorin Judith Brandner zum Gedenken an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

Die Journalistin und Japanologin Judith Brandner hat 2019 gemeinsam mit der JBZ das Arbeitspapier „Strahlen aus der Asche. Die Briefe von Kaoru Ogura an Robert Jungk“ verfasst. Zum Gedenken an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sendet der ORF mehrere Beiträge von und mit der Autorin, auf die wir gerne hinweisen:

31.7., Universum History, ORF2: Das Inferno von Hiroshima – Als die Bombe fiel. 

31.7. : Atombombenopfer als Forschungsobjekt

02.08., 20 Uhr 15, Tonspuren Ö1: Das schwarze Gewissen – ein Porträt des Literaturnobelpreisträgers Oe Kenzaburo 

3.8. – 6.8., jeweils 09:05 Uhr, Ö1-Radiokolleg: Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 

6.8., 21 Uhr, Im Gespräch – Ö1: Die Journalistin und Japanexpertin Judith Brandner im Gespräch mit Birgit Dalheimer 

7.8., 16 Uhr 05, Im Gespräch – Ö1: Die Japanologin u. Genderforscherin Ingrid Getreuer-Kargl im Gespräch mit Judith Brandner