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Salzburg 2040 – Die 22 ersten Thesen

Das Leben in Salzburg im Jahr 2040 wird anders sein. Einige Entwicklungen werden bis dahin zu Veränderungen geführt haben (und oftmals noch weiterwirken). Wenn wir von Salzburg sprechen, meinen wir Stadt und Land Salzburg.

Wir haben 22 Entwicklungen ausgewählt, die in Studien, der Fachliteratur und der öffentlichen Diskussion beschrieben werden. Zur Zeit wird in einem Beteiligungsprozess gefragt, wie wahrscheinlich diese Entwicklungen sind uns wie stark sie sich auswirken würden.

Hier sind die 22 ersten Thesen mit einer kurzen Erklärung:

(1)

Das durchschnittliche Alter der Bevölkerungen in Europa steigt an

Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung in Europa und in Österreich nimmt zu. Der Anteil der Menschen über 65 Jahren erhöht sich deutlich, die der Über-80-Jährigen sogar noch schneller. Dies wird sich stark auf die Staatshaushalte auswirken, etwa aufgrund veränderter Steuereinnahmen und höhere Ausgaben.

(2)

Internationale Migration auf dem Planeten nimmt zu

Die Anzahl der Menschen, die etwa aus klimatischen und ökonomischen, demographischen international wandern, nimmt zu. Migration wird durch die zunehmende Mobilität der Menschen in allen Regionen der Welt  erleichtert.

(3)

Andere Krankheiten belasten die Menschen

Neue medizinische und genetische Möglichkeiten drängen bekannte Krankheiten und ihre Effekte zurück, während der Klimawandel (Krankheitserreger in anderen geographischen Regionen), neue gesundheitsschädliche Verhaltensweisen und Antibiotikaresistenzen neue Herausforderungen an Menschen.

(4)

Das Wachstum der Wirtschaft gemessen als Bruttoinlandprodukt verläuft langsam

Die OECD geht bei ihren langfristigen Kalkulationen davon aus, dass in Österreich das Wirtschaftswachstum zwischen 1 und 2 Prozent im Durchschnitt erreichen wird.

(5)

Die Digitalisierung von Produktion und Dienstleistungen schreitet voran

Die Digitalisierung von Produktion und Dienstleistungen, zentral hierfür die Bedeutung von Algorithmen, schreitet voran und führt zu deutlichen Verschiebungen der Nachfrage am Arbeitsmarkt. Die geforderten Fähigkeiten ändern sich, wichtig werden immer mehr Kreativität, Flexibilität und analytisches Denken etwa.

(6)

Die Digitalisierung verändert den Arbeitsalltag

Fortschreitende Umsetzung von Digitalisierung hat Auswirkungen in nahezu allen Lebensbereichen. Bezüglich der Arbeitswelt wird mit einer Massenarbeitslosigkeit gerechnet. Die Digitalisierung macht viele Tätigkeiten obsolet.

(7)

Die Digitalisierung des Konsums setzt sich fort

Die Versorgung mit Güter wird auf Kosten traditioneller Strukturen digitalisiert. Wunscherkennung bzw. -auslösung, Beratung, Produktauswahl, Produktgestaltung und Einkauf verlagern sich immer mehr auf internetbasierte Lösungen.

(8)

Die Dekarbonisierung der Energienutzung schreitet (zu) langsam voran

Deutliche aber unzureichende Investitionen in den Energiemarkt, mit dem Ziel der Dekarbonisierung um den Klimawandel zu bremsen, finden statt. Erneuerbare Energiequellen nehmen an Bedeutung zu, insbesondere Sonnen- und Windenergie.

(9)

Die wirtschaftliche Ungleichheit innerhalb von Staaten nimmt zu

Die Vermögensungleichheit verschärft sich innerhalb der Staaten. Bei der Einkommensungleichheit ist diese Entwicklung schwächer ausgeprägt. Einkommen und Vermögen konzentrieren sich an der Spitze. Somit geht die soziale Schere der Gesellschaft immer weiter auf.

(10)

Immer mehr Menschen entscheiden sich für mehr Freizeit statt mehr Geld

Viele Arbeitnehmer:innen streben eine Verkürzung der Arbeitszeit an. Freizeit bzw. frei verfügbare Zeit wird Arbeitnehmer*innen immer wichtiger. Es steigt die Bereitschaft für mehr Freizeit auf Lohn(erhöhungen) zu verzichten.

(11)

Der gewünschte Wohnraum ist zunehmend schwerer zu erlangen

Wohnkosten steigen immer weiter an. Dies macht die Wahl des gewünschten Wohnraums immer schwieriger. Gerade der Wohnraum in der Stadt wird immer knapper, durch die Verstädterung und die Privatisierung von Wohnungseigentum. Das führt dazu, dass die Immobilienpreise in Relation zum Einkommen immer weiter steigen.

(12)

Das politische System ist zunehmend zersplittert

Die politischen Systeme Westeuropas differenzieren sich aus, sind stark  fragmentiert. Es entstehen neue Parteien an den Rändern bzw. gehen ehemalige Mitte-Parteien eher an die Ränder als in der Mitte zu verbleiben. Das erhöht die Labilität von Regierungen und erschwert Regierungsbildung.

(13)

Politisierung und Moralisierung der Lebenswelten stärkt Polarisierung

Die Politisierung aller Lebensbereiche schreitet voran. Kaum noch etwas ist privat, von der Ernährung, über die Gesundheit bis hin zum Wohnen oder dem Mobilitäts- und Konsumverhalten wird alles politisiert und moralisch aufgeladen. Rückzug und Radikalisierung sind Folgen.

(14)

Das Informationsangebot und seine -aufnahme werden zunehmend divers

Klassische Medien wie Tageszeitungen in Printform verlieren an Bedeutung. Informationskonsum verlagert sich weiter ins Internet. Dort findet ein Kampf um die Informationshoheit statt, der mit Manipulation, Sensationsnachrichten, bad news und hate angetrieben wird.

(15)

Europa schwankt zwischen Renationalisierung und Supranationalisierung

Europa wird in Frage gestellt und kann die anstehenden Probleme nicht lösen. Es gibt eine starke Polarisierung zwischen Renationalisierung und Suprationalisierung. Viele Staaten mit autoritären Tendenzen fordern ihre nationalstaatliche Souveränität ein. 

(16)

Immer mehr Menschen wohnen in Städten

Immer mehr Menschen werden in großen Städten oder deren direktem urbanen Umfeld wohnen und die Städte werden daher immer weiter ausgebaut. Somit ändert sich für einen Großteil der Bevölkerung auch der Zugang zu öffentlichen Gütern, etwa der Gesundheitsversorgung. Ländliche Regionen werden dadurch als Ergänzung zur Stadt betrachtet.

(17)

Das Digitale durchdringt und verändert das Privatleben

Das Digitale durchdringt immer mehr das Privatleben, dabei verändert es sowohl psychologische wie auch soziale Strukturen, nicht zuletzt treten zwischenmenschliche Momente treten in Konkurrenz zu digitalen Firmen. 

(18)

Die gesellschaftlich-kulturelle Diversität nimmt zu

Die gesellschaftlich-kulturelle Diversität nimmt in verschiedenen Bereichen zu: Konventionelle und nicht-konventionelle Lebensgemeinschaften stehen etwa verstärkt nebeneinander, ein Anstieg religiöser Diversität besteht neben anhaltender Säkularisierung.

(19)

Traditionelle Werthaltungen verlieren an Bedeutung

Gesamtgesellschaftlich verlieren traditionelle Werthaltungen, die Sicherheit und Stabilität auf Kosten von Veränderungsbereitschaft ausdrücken, an Bedeutung. Junge nachrückende Menschen setzen sich pragmatisch Lebensziele, die sie bereit sind, auch im Laufe des Lebens zu ändern.

(20)

Es besteht eine ständige Überforderung des Menschen

Durch vielschichtige Bestandteile einer immer schneller werdenden, Aufmerksamkeit beanspruchenden Welt kommt es zu einem ständigen Überforderungsgefühl des Menschen.

(21)

Die Biodiversität auf dem Planeten nimmt ab

Es sind gravierende Rückgänge bezüglich der Artenvielfalt auf dem Planeten zu beobachten. Das hohe Ausmaß menschlicher Einflussnahme auf das Ökosystem verstärkt die Chancen eines kommenden ökologischen Kollapses.

(22)

Nahrungsmittelproduktion birgt Konfliktpotenzial

Innovative Projekte zur Lebensmittelgewinnung nehmen zu, dennoch ist eine Nahrungsmittelproduktion vorherrschend, die Umweltprobleme und gesellschaftliche Konflikte provoziert.

Zur Zeit läuft dieser Partizipationsprozess. Die Ergebnisse werden in den kommenden Wochen ausgewertet. Die wahrscheinlichsten und wichtigsten Entwicklungen werden im nächsten Schritt auf ihre Zusammenhänge untersucht. Daraus werden Szenarien für die Entwicklung Salzburgs bis zum Jahr 2040 entwickelt. Die Studie wird Ende 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Studie wird von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen durchgeführt und ist unterstützt vom Land Salzburg.