Migration ist nicht nur die Suche nach materieller und physischer Sicherheit, sondern auch nach Anerkennung durch Nachahmung des „faszinierenden“ Westens, seines Lebensstils und seiner Nähe vor dem Hintergrund des entmenschlichenden historischen Erbes von Kolonialismus und westlicher Dominanz. Je höher der Westen Grenzzäune errichtet, desto mehr versucht die migrierende Person diese zu überwinden. Diese Grenzzäune bilden einerseits den Schnittpunkt zwischen der wahrgenommenen „Überlegenheit“ und Attraktivität des Westens jenseits der Grenze und andererseits dem migrantischen Wunsch nach Ausgrenzungsüberwindung und nach Anerkennung durch die Nachahmung des westlichen Lebensstils möglichst direkt im Westen. Auch wenn Armut, Konflikte und Klimawandel wichtige Rollen in der gegenwärtigen Migration spielen, sollte Migration viel breiter diskutiert werden.
Angesichts mannigfaltigen Unsicherheiten sucht der Mensch einen vermeintlichen Schuldigen für die Krise der Gemeinschaft oder Nation. Migrant:innen, Flüchtlinge oder Minderheiten können als Außenseiter und oftmals als Gefahr für soziale und öffentliche Sicherheit verfolgt werden. Gegenwärtig besteht eine zunehmende Tendenz Flucht und Migration als solch eine Gefahr zu pauschalisieren und für Demokratieuntergrabung zu instrumentalisieren bzw. die Fremden mit antidemokratischen Mitteln auszugrenzen. Es ist unerheblich wie viel Schaden der Fremde tatsächlich angerichtet hat oder welche Fakten vorliegen, sondern primär, dass er das Anderssein und das Fremde vergegenwärtigt. In dieser Situation sind viele Menschen bereit denen ihre Zustimmung zu geben, die Sicherheit vor dem Fremden versprechen. Dieses Vorgehen ist demokratisch, weil es eine breite Zustimmung bekommt und gleichzeitig antidemokratisch, weil es gegen die durch die demokratischen Institutionen geschützten Menschenrechte vorgeht. Sind unsere demokratischen Institutionen widerstandsfähig gegen Sündenbockmechanismus und Instrumentalisierung der Flucht und Migration für Machtzwecke?
In Kooperation mit dem Verein für Demokratie und Dialog
Migration: Gefahr für die Demokratie – oder ihre Bewährungsprobe?
mit Belachew Gebrewold: Äthiopisch-österreichischer Politikwissenschaftler,
Professor an der FH Management Center Innsbruck und Lektor an der Universität Innsbruck
JBZ Montagsrunden 261 | MO 02.11.2026 | 19:00
Ort: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
Robert-Jungk-Platz 1 | Strubergasse 18/2 | 5020 Salzburg
Der Eintritt ist frei.
Die Veranstaltung wird auch gestreamt.
Anmeldungen sind hier möglich.
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