MR 97 | Mein litauischer Führerschein

Was hält Europa heute zusammen? Wie gehen die Menschen in Litauen mit der Freiheit um, die sie vor einem Vierteljahrhundert gewonnen haben? Wie funktioniert die Europäische Union an ihren östlichen Außengrenzen, zwischen Kaliningrad und der Republik Belarus? Statt über diese Fragen am Berliner Schreibtisch nachzudenken, bricht Felix Ackermann 2011 auf, um Gastwissenschaftler in der litauischen Hauptstadt zu werden. Seine Familie erlebt in Wilna ein Europa der ganz praktischen Herausforderungen. Die Kinder lernen Litauisch und werden zu kleinen Patrioten erzogen. Seine Frau bringt eine Tochter zur Welt, die sogleich einen litauischen Personencode erhält. Und er selbst macht endlich doch noch seinen Führerschein in einer Kleinstadt namens Utena. Der Historiker und Stadtanthropologe Felix Ackermann porträtiert eine mehrsprachige Gesellschaft, deren Aufbruch in eine bessere Zukunft immer wieder empfindlich gestört wird: von den eigenen sowjetischen Gewohnheiten, der Migration Hunderttausender Bürger in den Westen, der russischen Annexion der Krim und von der allgegenwärtigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Felix Ackermann, geboren 1978, wuchs in Berlin Mitte auf, promovierte 2008 in Frankfurt (Oder) bei Karl Schlögel über die heute belarussische Stadt Grodno und lehrte von 2011 bis 2016 an der Europäischen Humanistischen Universität in Wilna. Zurzeit erforscht er am Deutschen Historischen Institut Warschau die Geschichte des Gefängniswesens im geteilten Polen-Litauen.


Wann:
Montag, 29. Mai 2017, 19.30 Uhr.
Wo: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Strubergasse 18/2, 5020 Salzburg

Anmeldung

„Die Übertreibung der Ingenieure steigt mit der Abhängigkeit ihrer Projekte von Finanzmitteln“ | Diskussion über Arbeit 4.0 in der Reihe JBZ-Zukunftsbuch

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Druck, Angst, permanente Überwachung. Im Lager eines großen deutschen Internetversandhandels lernte Caro Lobig als Undercover-Reporterin ein Zerrbild der modernen Arbeit kennen. Bei der AK-Veranstaltung „Vernetzte Arbeitswelt – arbeiten, mitbestimmen und Daten schützen im digitalisierten Betrieb“ am 16.5. 2017 berichtete sie darüber. Die abschließende rege Diskussion wurde von Stefan Wally moderiert, dem Geschäftsführer der Robert-Jungk-Bibliothek.

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