Category Archives: JBZ Arbeitspapiere

AP 34 / Das Zukunftsdenken bei Kohr und Jungk

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Leopold Kohr und Robert Jungk waren Zeitgenossen. Sie kannten sich und schätzten sich. In ihren Texten bezogen sie sich jedoch selten aufeinander. Zu verschieden waren die Zusammenhänge, in denen sie lebten, arbeiteten oder politisch aktiv waren. Umso bemerkenswerter ist es, dass beide gemeinsame Werthaltungen zum Ausdruck brachten. In der Auseinandersetzung mit Leopold Kohr und Robert Jungk stießen die Autoren Ewald Hiebl und Stefan Wally auf zumindest vier Grundprinzipien der beiden Denker, von denen ausgehend beide ihr Wirken gestalteten: Offenheit für Neues, die Gegnerschaft zu autoritären Strukturen, das Bemühen, vor der Zeit Entwicklungen zu erkennen, und die Verteidigung des Individuums sind die vier Werthaltungen, die das Werk beider Auto-ren durchziehen.

Ein Streifzug durch das Werk der beiden alternativen Nobelpreisträger Kohr und Jungk soll illustrieren, dass die beiden Autoren sich näher standen, als viele meinen. Vielleicht kann man von einer „Salzburger Schule“ des Denkens sprechen…

Das Arbeitspapier ist hier zu bestellen und hier im Volltext zu laden.

AP 33 / Wie autoritär denkt Salzburg?

Für klare Mehrheit sind „Fremde“ kein Hindernis für gute Entwicklung

ArbeitspapieJBZ AP 33 Lanzr der JBZ zu autoritären Einstellungen bei Salzburger Jugendlichen

Wenn es um Grundwerte geht, stehen in etwa drei von vier jungen Salzburgerinnen und Salzburger gegen Gewalt und das Recht des Stärkeren auf. Auch noch eine Mehrheit meint, dass Fremde unserem Wohlstand nicht im Weg stehen und es keine „muslimische Bedrohung“  in Salzburg gebe. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer neuen Studie, die heute in der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen vorgelegt wurde. Der Politikwissenschaftler Att Lanz hatte sie unter dem Titel „Wie autoritär denkt Salzburg?“ für die Reihe der Arbeitspapiere der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen erstellt.

34 Prozent der Salzburgerinnen und Salzburger zwischen 14 und 29 Jahren meinen, dass es „mit unserem Land erst wieder bergauf geht, wenn die fremden Elemente draußen sind“. Aber 61 Prozent glauben das nicht. Ähnlich gewichtet ist auch die Meinung, ob „die hohe Anzahl der Muslime eine Bedrohung“ für uns darstellte. 40 Prozent stimmten sehr oder eher zu, 56 Prozent lehnten diese Aussage ab.

Grundlegender Fragen zur Solidarität und zur Gewalt erbrachten hingegen deutlichere Ergebnisse. Bei diesen allgemeinen Fragen zum Umgang miteinander finden Gewalt wund das Recht des Stärkeren wenige Unterstützer. 16 Prozent meinen, das „Starke soll siegen, das Schwache untergehen“, 72 Prozent lehnen dies ab. 15 Prozent meinen „Gewalt ist anzuwenden, wenn andere Mittel nichts bringen“, 82 Prozent lehnen das ab. Nur 9 Prozent glauben nicht, dass „alle Menschen gleichwertig“ seien, 90 Prozent der jungen Salzburgerinnen und Salzburger stimmen zu. Auch dass der Staat die Schwachen schützen solle, lehnen nur 20 Prozent ab, 76 Prozent befürworten dies.

Der historische Rechtsextremismus bezog sich stark darauf, dass Österreich Teil der deutschen Nation sei. Das meinen heute immerhin 22% der Jungen in Salzburg. 71% lehnen diese Idee ab.

Wiederholt werden die Daten mit einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 1992 verglichen. Die damalige Jugendstudie des Instituts Dr. Brunmayr wurde damals im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst und des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie durchgeführt. Befragt wurden damals 3.038 Schüler und Lehrlinge im gesamten österreichischen Bundesgebiet in einer Stichprobe auf Basis aller Schulklassen ab der 9. Schulstufe. Interessant zu beobachten war, dass es kaum Verschiebungen bei den Ergebnissen gab.

Die Daten zur aktuellen Einstellung in Salzburg liefert eine Befragung des IGF. Im Bundesland Salzburg wurden 400 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren im Rahmen einer repräsentativen telefonischen Mehrthemenumfrage befragt. Für die Umfrage wurde eine geschichtete Zufallsstichproben zu Rate gezogen. Die telefonische Befragung fand von 20.10.2014 bis 31.10.2014 statt. Die Studie ist hier zu lesen.

 

AP 32 / Zur Bedeutung der nationalen Identität in Salzburg

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Die Idee, dass Nationen etwas Urwüchsiges seien, das uns Menschen prägt, hat es heutzutage schwer. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen in Salzburg meint, dass die Nationalität nichts oder fast nichts über sie als Menschen aussagt. Und für die Zugehörigkeit zur Nation ist es nur sehr wichtig, die Sprache zu sprechen und die Gesetze zu achten. Das ist das Ergebnis einer Erhebung in Salzburg, die heute, Dienstag, 29. September, in der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (JBZ) präsentiert wurde.

Um als Österreicher zu gelten halten es 75 Prozent für sehr wichtig die deutsche Sprache zu sprechen. 74 Prozent bewerten das Achten der österreichischen Gesetze für sehr wichtig. Österreichische Eltern zu haben oder in Österreich geboren zu sein, ist hingegen nur mehr 26 bzw. 30 Prozent sehr wichtig. Für Fabian Habersack, den Autor der Studie für die JBZ sind diese Ergebnisse bemerkenswert: „Die Salzburgerinnen und Salzburger haben eine offene Idee der Nation: Nationalität ist ihrer Meinung nach kein Los, dass man mit der Geburt zieht, sondern eine Frage der Einstellung zur Gesellschaft.“

Diese nüchterne Einstellung zur Nation wurde auch an anderer Stelle der Untersuchung deutlich. Dort wird klar, dass man in Salzburg wenig von nationalen Stereotypen hält. 74 Prozent der Salzburgerinnen und Salzburger sagen, dass man ausgehend von der eigenen Nationalität „wenig“ oder „nichts“ über sie als Personen weiß. Auch darin spiegelt sich einerseits die Abkehr von Ideen wie „nationalen Volks-Charakteren“ wider und andererseits eine Aufwertung der Individualität und der Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen.

Schließlich ging man in der Studie auch der Frage nach, wie man sich jemandem von außerhalb Europas vorstellen würde. 49 Prozent würden sich als Österreicherinnen oder Österreicher vorstellen, 26 Prozent als Salzburgerinnen oder Salzburger und jeweils 10 Prozent als Einwohnerinnen oder Einwohner ihres Heimatorts oder als Europäerinnen oder Europäer.

Die Studie des Politikwissenschaftlers Fabian Habersack basiert auf einer Umfrage in Zusammenarbeit mit dem IGF Salzburg unter 503 Salzburgerinnen und Salzburgern. Die Studie ist als JBZ-Arbeitspapier 32 unter dem Titel „Zur Bedeutung nationaler Identität in Salzburg“ erschienen. Die Studie ist hier zu lesen, der Datensatz ist in der JBZ bestellbar.