Einigen von Robert Jungks grundsätzlichen Positionen ist noch heute nichts hinzuzufügen

2017 tauschten wir uns wieder mit Achim Eberspächer über seine Zeit in der JBZ aus. Zur Zeit des Stipendiums arbeitete er an einer Dissertation über die Geschichte der Futurologie. 2017 ist er Referent im Projekt „Energiesysteme der Zukunft“ der deutschen Wissenschaftsakademien. Hier ist, was er uns zu sagen hatte:

Was bedeutete für dich der Forschungsaufenthalt in Salzburg?
Dazu zunächst einige Hintergrundinformationen: Zur Zeit meines Jungk-Stipendiums in Salzburg habe ich an meiner Doktorarbeit über die Geschichte der Futurologie geschrieben; die drei Hauptpersonen darin sind Ossip Flechtheim, Karl Steinbuch und – und vor allem – Robert Jungk. Als Doktorand habe ich ganz klassisch überwiegend allein im „stillen Kämmerlein“ gearbeitet; das ist eine Art des Promovierens, die inzwischen – zum Glück – auch in den Geisteswissenschaften seltener wird. Überdies befand sich dieses stille Kämmerlein einen Großteil der Promotionszeit in einer niederländischen Kleinstadt, wo deutschsprachige Quellen und Forschungsliteratur oft nicht zur Hand waren.
Was hat der Forschungsaufenthalt in Salzburg daher für mich bedeutet?
Fachlich: die Möglichkeit, schnell und direkt auf zahlreiche für mein Promotionsprojekt einschlägige Bücher zuzugreifen, vor allem aber auf all die Quellen und Unterlagen aus Robert Jungks Nachlass, der damals noch auf dem Dachboden der Imbergstr. 2 lag. Vieles davon ist in meine Doktorarbeit eingegangen. Und durch einiges, was vor allem Walter Spielmann mir über Jungk erzählt hat, ist dessen Bild bei mir plastischer und lebendiger geworden.
Menschlich: die willkommene Möglichkeit, sich mit anderen Menschen über Zukunftsfragen, Robert Jungk, österreichische Politik und Fußball auszutauschen. Und: Die Umgebung hat mir großartig gefallen. Ich liebe die Berge und hätte gern einen Gaisberg vor der Haustür. Jetzt lebe ich in Berlin, dort sind die höchsten Erhebungen ehemalige Schutthaufen oder Mülldeponien.

Was bedeutet Robert Jungk heute für dich?
Einigen von Robert Jungks grundsätzlichen Positionen ist noch heute nichts hinzuzufügen: Dass der naturwissenschaftlich-technische Fortschritt unsere Welt tiefgreifend verändert und es wiederum menschlichen Erfindergeist und menschliche Phantasie braucht, um mögliche gefährliche Folgen rechtzeitig zu begrenzen. Wenn Entsprechendes heute geäußert wird, denke ich daran, dass Robert Jungk vieles davon schon vor rund 50 Jahren getan hat.
Gleichzeitig bin ich froh, dass es heute zahlreiche Initiativen gibt, die in diesem Sinn handeln: der Weltklimarat IPCC etwa in der Sache und von den Positionen her. Und geradezu begeistert – das kann ich mir nicht anders vorstellen – wäre Robert Jungk von den ehemaligen „Schönauer Stromrebellen“ mit dem Unternehmen EWS: nicht nur davon, was sie bewegen, sondern vor allem, wie sie das tun.

In welche Richtung hast du dich seit dem Stipendium weiterentwickelt und wie sehen deine beruflichen Zukunftspläne aus?
Die turbulenteste Zeit seitdem war für mich der Sommer 2013: Damals habe ich meine Doktorarbeit abgegeben, unsere erste Tochter ist auf die Welt gekommen und ich bin aus den Niederlanden nach Berlin gezogen, wo ich eine Stelle als Referent im Projekt „Energiesysteme der Zukunft“ der deutschen Wissenschaftsakademien angetreten habe. Dort arbeite ich heute noch. Das Projekt und damit meine Stelle läuft bis Februar 2019. Ich kann mir gut vorstellen, den künftigen Energiesystemen im Allgemeinen und erneuerbaren Energien im Besonderen auch danach treu zu bleiben.

Hast du bleibende Kontakte, die sich aus der Zeit in Salzburg ergaben?
Mit den damaligen Mitarbeitern der Robert-Jungk-Bibliothek maile ich mir zwar nicht oft, abgerissen ist der Kontakt aber nie. Dass in diesem Jahr endlich die Buchfassung meiner Doktorarbeit erscheint, kann ein Anlass sein, sich wieder einmal persönlich zu sehen.

Was sind für dich die größten Zukunftsherausforderungen, denen sich die Gesellschaft wird stellen müssen?
Alle drei Beispiele, dir mir zuerst einfallen, haben direkt oder indirekt mit der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung zu tun:
1. der Klimawandel. Die Herausforderung ist hier, den Ausstoß von Treibhausgasen massiv zu reduzieren und insbesondere das Energiesystem unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen
2. die schwindende Bedeutung der Lohnarbeit. Die Herausforderung ist hier, neue Wege zu finden, allen einen menschenwürdigen Lebensstandard zu garantieren und zugleich aus der durch Innovationen und Effizienzsteigerungen gewonnenen Zeit sinnvolle Lebenszeit statt bedrückender Arbeitslosigkeit werden zu lassen
3. die ungleichzeitige demographische Entwicklung: Überalterung im Westen, weiter rapides Bevölkerungswachstum in vor allem afrikanischen Ländern. Die Herausforderung ist es hier, in den westlichen Ländern soziale Errungenschaften wie Bildungssystem und vor allem Altersvorsorge umzubauen und zugleich Migrations- und Integrationspolitik anzupassen