Ein wichtiger Aspekt der Zukunftsforschung ist die Antizipation zukünftiger Entwicklungen in Form von Szenarien. Szenarien lassen sich als zukünftige Welten verstehen, die durch Narrationen zugänglich gemacht werden. So gesehen zeigen sich Parallelen zur Gestaltung imaginärer Welten (Worldbuilding), wie sie in Disziplinen wie der Designforschung, der Narratologie aber auch in den Science-Fiction-Studies verhandelt werden.

Der vorliegende Beitrag entfaltet Worldbuilding als erkenntnisgenerierende Methode in der interdisziplinären Zukunftsforschung und verknüpft die oben genannten Disziplinen mit Fragestellungen der Zukunftsforschung. Im Zentrum steht die These, dass Zukünfte symbolisch aufgeladene Welten darstellen, sogenannte imaginäre Welten, die über mediale Artefakte wie Texte, Karten oder Objekte zugänglich gemacht werden können. Zudem fördert Worldbuilding eine Öffnung hin zu Wünschbarkeiten und normativen Zukünften.

Als konkreter Anwendungsfall wird in diesem Beitrag die Zukunfts-Schreib-Werkstatt vorgestellt. Aufbauend auf der Zukunftswerkstatt von Jungk & Müllert (1989) sowie den Vorarbeiten zum Worldbuilding von Mehnert (Fischer & Mehnert, 2021; Mehnert, 2023, 2025), wird ein vierstündiges Workshopkonzept vorgestellt. Der Beitrag schließt mit einer Fallstudie zur Zukunft der Stadt Salzburg und zeigt exemplarisch drei dominante Themenfelder, die für die diskursive Verhandlung von Zukünften relevant sind.

Mit dem theoretischen und methodischen Einblick liefert dieser Text einen Beitrag zur theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit Worldbuilding in der interdisziplinären Zukunftsforschung. 

Der Autor Wenzel Mehnert ist Zukunftsforscher und beschäftigt sich mit den Imaginationen neuer und aufkommender Technologien. Er forscht, schreibt und lehrt experimentelle Methoden der Zukunftsforschung. In seiner Arbeit konzentriert sich Wenzel Mehnert auf die Schnittstelle zwischen spekulativen Fiktionen und der Bewertung von neuen und aufkommenden Wissenschaften und Technologien (z.B. A.I., SynBio, Internet der Dinge, etc.). Er arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Künste Berlin, war Mitbegründer des Berlin Ethics Lab an der Technischen Universität Berlin und lebt derzeit in Wien, wo er am Austrian Institute of Technology arbeitet.

Wenzel Mehnert: Worldbuilding. JBZ-Arbeitspapier 79. Salzburg 2026. 59 S.

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