Preisverleihung an Elmar Altvater

Der anerkannte Ökonom Elmar Altvater erhielt den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung im Jahr 2013. In seiner Dankesrede widmete er sich der Frage, was uns Robert Jungk bei der Suche nach Optionen für ein anderes Wirtschaften mit auf den Weg geben kann. Die Rede von Elmar Altvater ist als JBZ-Arbeitspapier erschienen.

Begründung

Neun Persönlichkeiten mit großen Verdiensten um die Zukunftsforschung bzw. eine humane Zukunftsgestaltung standen dem Kuratorium der Robert-Jungk-Stiftung für die Erstellung eines Vorschlags für den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung 2013 zur Auswahl. Nach ausführlichen Beratungen in der Sitzung vom 18.6.2012 entschied sich das Kuratorium für Universitätsprofessor Dr. Elmar Altvater und begründet dies wie folgt:

  • Elmar Altvater ist ein führender Wissenschafter des deutschsprachigen Raumes. Geboren 1938 in Kamen bei Dortmund, lehrte er knapp vier Jahrzehnte am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin zu Fragen der Politischen Ökonomie. Viele seiner Student/inn/en wirken heute in wichtigen Positionen: als einer davon sei Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, genannt.
  • Elmar Altvater analysierte als einer der ersten den Zusammenhang zwischen Wirtschaften und Ökologie. Ausgebildet in den Disziplinen der Volkswirtschaftslehre und der Soziologie, war es Altvater von früh an wichtig, die sozialen und ökologischen Aspekte des Wirtschaftens in den Vordergrund zu rücken. Früh hat sich Altvater den Zusammenhängen von Wirtschaft und Ökologie in Ost und West gewidmet. Insbesondere gilt Altvater als einer der ersten und federführenden Autoren, die – in Anlehnung an den Mathematiker Nicholas GeorgescuRoegen auf den entropischen Charakter des Mensch-Natur-Verhältnisses hingewiesen haben: Industrielles Wirtschaften ist demnach nur mit Naturzerstörung möglich.
  • Elmar Altvater erkannte früh Zukunftsentwicklungen und spricht von der „postfossilen Gesellschaft“. Der Industrialismus ist – so Altvater – nur denkbar in Kombination mit dem „Fossilismus“. Aus diesem Grund werde der Kapitalismus der postfossilen Ära jedenfalls anders aussehen als der derzeitig, argumentiert der Ökonom in seinem Buch „Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen“ (2005). Altvater sieht – wie andere auch – die Notwendigkeit eines Umstiegs auf einen solaren Energiepfad, geht aber davon aus, dass dieser nicht konfliktfrei verlaufen werde. Altvater fordert dagegen eine „solare und solidarische Gesellschaft“, wozu es an vielen Orten bereits Ansätze gebe.
  • Elmar Altvater hat auch die Probleme der Globalisierung der Finanzströme früh beschrieben. Gemeinsam mit Birgit Mahnkopf hat er als einer der ersten darauf hingewiesen, dass die ab den 1970er-Jahren einsetzende, zunehmende Liberalisierung der Märkte sowie Ent-Regelung des globalen Finanzsystems zu starken Friktionen führen werde. 1996 ist die Analyse „Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft“ (mit Birgit Mahnkopf) erschienen. Der Ökonom sieht jedoch in der Verknappung – und damit auch Verteuerung der Naturressourcen einen begrenzenden Faktor für Wirtschaftswachstum. „Grünes Wachstum“ sei zwar möglich, aber ebenfalls nicht unbegrenzt.
  • Elmar Altvater steht in der Tradition Robert Jungks. Dass Robert Jungk Anfang der 1980er-Jahre an einem „Sonnenbuch“ gearbeitet hat, welches anlässlich von „Robert Jungk 100“ im Otto-Müller-Verlag erscheinen wird, stellt eine erste Gemeinsamkeit zwischen dem vorgeschlagenen Preisträger und jener Persönlichkeit her, die den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung als erster – im Jahr 1993 – erhalten hat. Eine weitere liegt darin, dass auch Jungk eine (Honorar-)Professur an der Freien Universität Berlin erhalten hatte (1970). Beide begannen in der Umbruchszeit der 1968-Studentenbewegung zu lehren und haben eine abwechslungsreiche Geschichte der politischen Intervention.
  • Elmar Altvater ist eine Stimme, die gehört wird. Er arbeitet beratend in verschiedenen Gremien mit, referiert bei Tagungen von Naturschutzgruppen ebenso wie von Gewerkschaften oder Bildungshäusern. Vielfach wird er zitiert, etwa in den Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats „Globale Umweltveränderungen“ des Deutschen Bundestags. Von 1999 bis 2002 war Altvater Mitglied der Enquête-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten“ des Deutschen Bundestags.
  • Das Resümee des Ökonomen, welches auch die Arbeit der Robert-Jungk-Stiftung im Kontext „neuer Wohlstandsmodelle und nachhaltiger Lebenstile“ bestätigt: „Die Grenzen, die uns die Natur setzt, müssen respektiert werden. Dann ist es aber zwingend notwendig, die Gesellschaft so umzugestalten, dass in diesen Grenzen das gute Leben für alle Menschen möglich ist.“ (In: Grenzen des Wachstums 2012, S. 107)
  • Und als Zukunftspostulat: „Als junger Mann hat man immer mehr Hoffnung. Mit dem Alter wird man erfahrungsgesättigter. Aber wenn ich die gesellschaftlichen Umstände analysiere, bin ich hoffnungsvoll. Die Notwendigkeit war nie größer und die Chancen für einen Wandel waren nie besser als heute.“ (In: Die Zeit, 25.11.2011)

Zur Person

Univ. Prof. Dr. Elmar Altvater: 1938 in Kamen bei Dortmund geboren, Studium an der Ludwig Maximilian Universität München, Promotion zum Thema „Umweltprobleme in der Sowjetunion“, 1968 -1970 Lehrtätigkeit an der Universität Erlangen-Nürnberg, danach Wechsel an das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, wo Altvater 1971 eine Professur bekam. 1999-Univ. Prof. Dr. Elmar Altvater: 1938 in Kamen bei Dortmund geboren, Studium an der Ludwig Maximilian Universität München, Promotion zum Thema „Umweltprobleme in der Sowjetunion“, 1968 -1970 Lehrtätigkeit an der Universität Erlangen-Nürnberg, danach Wechsel an das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, wo Altvater 1971 eine Professur bekam. 1999-2002 Mitglied der Enquête-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten des Deutschen Bundestages. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2004 blieb Altvater am Institut aktiv. Zudem ist er in zivilgesellschaftlichen Initiativen aktiv. Zentrale Publikationen: Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft (1996); Konkurrenz für das Empire – Die Zukunft der Europäischen Union in der globalisierten Welt (2007); Der große Krach: oder die Jahrhundertkrise von Wirtschaft und Finanzen, von Politik und Natur (2010).