Ausgehend von Projekten, die im Zusammenhang mit dem Festspielarchiv entstanden sind, und dem Faktum, dass sich performative Aktionen per se nicht adäquat archivieren, sondern höchstens dokumentieren lassen, steht das Bewahren von darstellender Kunst im Fokus des diesjährigen Festspiel-Symposiums. Daran knüpfen sich Fragen nach den Möglichkeiten der Archivierung von performativen Künsten mittels VR und AI, nach der auratischen Wiederverzauberung im lebendigen Archiv ebenso wie solche nach der Nutzung, Interpretation und Teilhabe: Wer hat Zugang zum Archiv und Macht über das Archiv? Wie sieht es mit der ethischen Verantwortung im Umgang mit sensiblen, personenbezogenen oder qualitativen Daten aus? Wie lassen sich Archive als Orte und Quellen der Erinnerung für alle erschließen? Wie und wo werden Geschichte(n) erfahrbar, wenn sie nicht mehr linear, sondern räumlich, interaktiv, immersiv gedacht werden? In diesem Kontext erörtern Expert·innen und Künstler·innen die Zugänglichkeit von Archiven, die Schnittstellen von Kunst und Technologie und loten die Grenzen von Räumen und Narrativen im digitalen Zeitalter aus.

I. Das Archiv im historisch-politischen Kontext
Das Archiv – Ort der Quelle(n), Ort des Politischen – Vom Archeíon zu Big Data
10:00–12:00 Uhr · Eröffnung | Keynote | Statements | Podiumsdiskussion

Archive sind Institutionen der Zeit: Sie sind von der Zeit bestimmt – und konstruieren Zeit beziehungsweise ermöglichen Zeitkonstruktionen. Archive sind zentrale Gedächtnisspeicher, die durch die Auswahl, Bewertung und Verwahrung von Dokumenten maßgeblich bestimmen, welches Wissen über die Vergangenheit erhalten bleibt. Ihre Macht liegt in der Selektion begründet, die historische Narrative prägt und Rechtssicherheit schafft, indem sie Informationen dauerhaft zugänglich macht – oder den Zugang verwehrt. Seit Jahren rückt das Archiv verstärkt in den Fokus der künstlerischen Praxis – als eine Einrichtung, die von institutionellen Interessen geprägt war und ist und Hierarchien von Wissen und Körpern fortschreibt.

Keynote: Thomas Ballhausen
Statements: Katharina Nocun, Thorsten Thiel, Petra Gehring
Moderation: Stefan Wally

II. Staging Realities
Möglichkeitsräume und Wirklichkeitsträume
13:00–14:30 Uhr · Statements | Lesung

Mit Staging Realities entsteht ein Labor für digitale Bühnenkünste, für immersive Kunst und neue Formen des Erzählens im digitalen Zeitalter, das kreatives Experimentieren mit neuen Werkzeugen sowie die kritische Reflexion über die physische Präsenz in der Performancekunst verbindet. Es startet mit den Living Archive-Projekten der Salzburger Festspiele im August 2026 sowie einer ersten Ausgabe des Festival for Immersive Arts and Digital Narratives im September 2026. Damit öffnet die Universität Mozarteum nicht nur die Türen des X-Reality Lab im UMAK, wo immersive und interaktive Kunst erprobt wird, sondern auch jene zu Universen zwischen Kunst und Technologie, zwischen Virtualität und Realität, zwischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, zwischen Resonanz und Dissonanz, zwischen digitalen Analogien und analogen Digitalitäten.

Statements: Claudia Lehmann, Christopher Lindinger, Tina Lorenz
Moderation: Paul Feigelfeld
Lesung: Mavie Hörbiger

III. Das Archiv und die performativen Künste
The Living Archive – Die Projekte
15:00–ca. 17:00 Uhr · Statements | Gespräche

Archive sind bedeutende Erinnerungsorte, die als Wissensspeicher einen wesentlichen Teil des kulturellen Gedächtnisses bewahren und das historische Denken in der Gegenwart stärken. Archive müssen sowohl handelnd angeeignet werden als auch Handlung evozieren, um als Tradierungsmedium kulturell relevant zu bleiben. Dies gilt im Besonderen für die Archivierung und Tradierung von Performancekunst beziehungsweise Musik und darstellender Kunst. Im Kontext der Salzburger Festspiele wird dies mit der Etablierung eines lebendigen Archivs versucht, wobei Festspiele per se eine Art lebendiges Archiv darstellen und die Re-Lektüre des dramatischen und musikalischen Repertoires als eine Aktion im Sinne eines lebendigen Archivs zu verstehen ist. Im Gegensatz zum klassischen Archiv, in dem das Vergangene nach bestimmten Ordnungsstrukturen klassifiziert wird, versteht sich das lebendige Archiv als eines, das die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überwindet und die Bestände in anderen Kontexten miteinander in Beziehung bringt, wodurch neue Wahrnehmungsweisen entdeckt, aber auch neue Quellen des Erinnerns erschlossen werden.

Einführung & Moderation: Margarethe Lasinger
Statement: Gerfried Stocker
Projekte Living Archive & Best Practices: Iz Paehr, Mats Staub, Merve Sahin im Gespräch mit Lukas Crepaz, Peter Freudling, Veronika Liebl

Konzeption: Margarethe Lasinger, Claudia Lehmann, Christopher Lindinger, Stefan Wally

Mehr Informationen zum Festspiel-Symposium finden sie hier.

Eine Veranstaltung der Salzburger Festspiele in Zusammenarbeit mit dem Verein der Freunde der Salzburger Festspiele, der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Ars Electronica Linz sowie dem Institut für Open Arts der Universität Mozarteum.

Konservierte Zeit
Das Archiv im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit

Ein Festspiel-Symposium mit der JBZ
mit Mavie Hörbiger, Thomas Ballhausen u. a.

MI 19.08.2025 | 10:00
Große Universitätsaula | Hofstallgasse 2-4 | 5020 Salzburg

Der Eintritt ist mit Zählkarte frei.
Bestellung von Zählkarten ist hier möglich.