Es gehört zu den verbreiteten Vorstellungen über die Nachkriegszeit, dass in deutschen und österreichischen Familien über den Nationalsozialismus weitgehend geschwiegen wurde. Dieses Bild greift jedoch zu kurz. Der Nationalsozialismus war und ist Teil der Familiengeschichte – und in vielen Familien wurde sehr wohl über die NS-Zeit gesprochen. Entscheidend ist daher nicht nur die Frage, ob erzählt wurde, sondern vor allem, was und wie erinnert und erzählt wurde. Das familiäre Erinnern steht dabei nicht isoliert, sondern in einem Wechselverhältnis zum öffentlichen und politischen Umgang mit der NS-Vergangenheit. Familiengedächtnisse und gesellschaftliche Diskurse beeinflussen sich gegenseitig: Sie können sich bestätigen, aber auch widersprechen und korrigieren. In diesem Spannungsfeld entwickeln die nachfolgenden Generationen ihre Vorstellungen von der eigenen Familiengeschichte und ihrer Verstrickung in den Nationalsozialismus.

Familiengeschichte/n.
Der Mythos vom Schweigen über den Nationalsozialismus nach 1945.

mit Margit Reiter: Univ.-Prof.in für Europäische Zeitgeschichte an der Universität Salzburg
JBZ Montagsrunden 264 | MO 14.12.2026 | 19:00

Ort: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
Robert-Jungk-Platz 1 | Strubergasse 18/2 | 5020 Salzburg

Der Eintritt ist frei.
Die Veranstaltung wird auch gestreamt.
Anmeldungen sind hier möglich.
Foto: © Michael Brauer Photographie