Politik als Beruf (mit Zukunft?)

Christoph Konrath, Abteilungsleiter im Rechts-, Legislativ- und Wissenschaftlichen Dienst der Parlamentsdirektion, hat uns in der 111. Montagsrunde einen Einblick in Politik als Beruf gegeben.

Viel ist von der Krise der Institutionen die Rede, die durch Professionalisierung und Personalisierung überwunden werden soll. Das Ideal des handelnden Politikers findet Christoph Konrath bei Max Weber: Dieser versteht Politik als Beruf, der in erster Linie Kunst sei und nicht Technik – vor allem die Kunst, zwischen Spannungsfeldern zu manövrieren. Weber plädiert dazu auch für eine Verantwortungsethik: PolitikerInnen sollen für die Folgen des eigenen Handelns Verantwortung übernehmen.

Ein beschleunigtes Medienzeitalter welches wenig Zeit lässt, sich vertieft Wissen anzueignen; die Tendenz zur Verrechtlichung ethischer und politischer Fragen und Prozesse; der Druck, authentisch zu wirken und gleichzeitig (wirtschaftliche) Erfolge zu liefern; die Abhängigkeit von Parteiapparaten: all dies schränkt PolitikerInnen in ihren Handlungsmöglichkeiten ein. Damit rückt man immer weiter von der Idee eines handelnden politischen Subjekts mit Verantwortung ab.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass Politik als Beruf auch anders geht: Die Constitutional Convention in Irland etwa berät Abgeordnete bei schwierigen politischen Themen, wie z.B. Abtreibung. Auch das portugiesische Parlament hat sich im Kontext einer andauernden Minderheitenregierung den BürgerInnen geöffnet und darf sich über ein in Europa führendes Vertrauen freuen. In Finnland tagt ein permanenter Zukunftsausschuss im Parlament, wo alles diskutiert werden darf – nur keine tagespolitischen Themen. Mehr Experiment und mehr Freiheit für die einzelnen AkteurInnen kann Politik als Beruf wieder attraktiver machen, und damit auch gleichzeitig Demokratieverdrossenheit entgegenwirken.

 

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