Category Archives: JBZ

Robert Jungk und Hiroshima an der Universität Wien

Robert Jungks Beziehungen zu Hiroshima werden in einer Lehrveranstaltung von Judith Brandner an der Universität Wien behandelt. Eine der Studierenden, die in Wien lebende Yoshie Kagawa, widmet sich dem Thema im Rahmen der Lehrveranstaltung „150 Jahre Japanisch-Österreichische Beziehungen. Praktische Medienarbeit für Japanologiestudierende über die Stationen einer langjährigen Freundschaft.“ Wir freuen uns dass Robert Jungk hier seinen Platz findet! Gemeinsam mit Judith Brandner konnten wir 2018 das JBZ-Arbeitspapier „Strahlen aus der Asche. Die Briefe von Kaoru Ogura an Robert Jungk“ veröffentlichen.

Robert-Jungk-Stipendiatin Micaela Latini über das Verhältnis von Günther Anders, Ernst Bloch und Robert Jungk

Seit 2008 vergibt die Stadt Salzburg jährlich ein Robert-Jungk-Stipendium im Rahmen des Programms „Scientists in Residence“. Das in Erinnerung an den Zukunftsforscher in Kooperation mit der JBZ vergebene Stipendium ermöglicht Forscherinnen und Forschern zwei Monate in Salzburg zu einen Zukunftsthema zu arbeiten.

Robert-Jungk-Stipendiatin 2018 war die italienische Literaturwissenschaftlerin Michaela Latini. Von November bis Dezember 2018 recherchierte sie in Salzburg zum Verhältnis von Günther Anders, Ernst Bloch und Robert Jungk. Am 7. Jänner 2018 stellte Latini die Ergebnisse ihrer Arbeit in einem Vortrag in der JBZ vor (s. Bild).

Die zentrale Aussage der Expertin: Mit Günther Anders verbindet Robert Jungk die Kritik an der Zerstörungskraft des Atomzeitalters, mit Ernst Bloch das „Prinzip Hoffnung“. Doch während Anders und Bloch als philosophische Theoretiker gelten, war Jungk immer der Aktivist, Chronist und Zukunftsdenker, der die Umsetzung realer Utopien ganz praktisch einforderte. Latini belegte dies u.a. mit folgendem Zitat Jungks: „Die Zukunft beginnt mit jedem Tag und jedem Menschen wieder neu“.

Die Ergebnisse ihrer Forschungen im Rahmen des Robert-Jungk-Stipendiums wird Micaela Latini in einem JBZ-Arbeitspapier dokumentieren. Und diese werden – so erzählte sie bei der Präsentation – auch in die Neufassung ihres Buches über Günther Anders
 „Per un’estetica dell’esagerazione. La filosofia d’occasione di Günther Anders“ und ihre Vorlesungen an der Universität Como einfließen. Zum Briefwechsel zwischen Günther Anders und Claude Eatherly, jenem Major der US-Army, der die Wetterbedingungen über Hiroshima am Tag des Atombombeneinsatzes erkundete und später seinen Einsatz bereute, er schien Latinis Buch „L’ultima vittima di Hiroshima“.

Der Vortrag von Latini in der JBZ wird demnächst als Audiofile Online zur Verfügung stehen. Wir danken der Stipendiatin für ihre interessanten Ausführungen und wünschen alles Gute für die Zukunft.

Moderation: Hans Holzinger, Foto: Stefan Wally

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Schutz der Menschenwürde – ein bloßes Lippenbekenntnis? | Tagung ZUKUNFT.INTERNATIONAL

Zentrales Schutzgut aller Menschenrechte ist die Würde jedes einzelnen Menschen. Über den Anstieg der Verwendung des Begriffs Menschenwürde in internationalen Verfassungstexten kann im Zuge einer globalen Völkerverständigung eine Sensibilisierung der gesetzgebenden Organe festgestellt werden, was die Abbildung des Begriffs in den Kernurkunden der Staaten betrifft. Die Herausbildung einer gemeinsamen internationalen Wertegemeinschaft scheint zudem durch die Schaffung von internationalen Menschenrechtsdokumenten nach dem Zweiten Weltkrieg zum Ausdruck zu kommen. In beiden Fällen wurde in diesem Workshop der Tagung ZUKUNFT:INTERNATIONAL kritisch hinterfragt, ob es sich dabei um ein aus Überzeugung normiertes Menschenrechtsverständnis oder bloß um inhaltsleere Normen handelt. Denn: Der zunehmende Nationalismus gefährdet die über Jahrzehnte erarbeiteten gemeinsamen Werte massiv.

Robert Krammer vom Österreichischen Institut für Menschenrechte der Universität Salzburg leitete in den Workshop mit einem Vortrag zum Thema Menschenwürde ein –  als Grundlage für die Menschenrechte. Er ging auf den Begriff der Menschenwürde als Wesenskern aller Menschenrechte ein.
Aus historischer Sicht zeichnete er nach, dass sich aus dem vormals philosophischen Begriff eine Rechtsnorm entwickelte. Der Experte zeigte auf, wie die Menschenwürde in Verfassungen von Staaten verankert ist und auf welchen Ebenen  politische Zuständigkeiten gegeben sind – von den Vereinten Nationen über den Europarat bis hin zur Europäischen Union und deren jeweiligen Mitgliedsstaaten. Krammer wies aber auch darauf hin, dass zahlreiche nationale Verfassungen zwar die Menschenwürde  in ihren Texten verankern, sie offenbar aber nicht entsprechend schützen (zB Saudi Arabien, Somalia); daher müsse hier von einem „Lippenbekenntnis“ gesprochen werden. 

Der Vortrag von Stefan Kieberschloss genau daran an – nämlich dass die internationalen Menschenrechtsdokumente, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, diese Menschenwürde zu schützen versuchen, was freilich nur gelingt, wenn Staaten das auch wollen. Kieber, ebenfalls Mitarbeiter am Österreichischen Institut für Menschenrechte, stellte die wichtigsten Dokumente und Erklärungen zu den Menschenrechten vor und setzte diese in den Kontext der internationalen Völkerverständigung. In der Folge ging er auf die Gefahren durch die Rückkehr des Nationalen ein: Staaten halten sich teilweise nicht mehr an die internationalen Vereinbarungen oder sie treten aus Verträgen aus; zudem seien die Sanktionsmöglichkeiten zu gering. Staaten können auch nicht zum Beitritt zu Menschenrechtsvereinbarungen gezwungen werden. Die Umsetzung der Internationalen Menschenrechte hänge daher noch immer großteils vom Goodwill der Staaten ab, so der Experte.

Zentrale Thesen aus dem Workshop 

In dem von Birgit Bahtic-Kunrath, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Robert-Jungk-Bibliothek, moderierten Workshop wurden folgende Thesen erarbeitet:

  • Der Schutz der Menschenwürde erfordert Mechanismen über die Nation hinaus. Die Internationale und Europäische Menschenrechtskonvention sind daher unverzichtbar.
  • Wir brauchen ein globales Verständnis von Menschenwürde und müssen uns permanent über die Grundlagen der Menschenrechte verständigen.
  • Es gibt einen verstärkten Abbau von Menschenrechten durch gewählte Politiker, die Konsequenzen der Nichteinhaltung von Menschenrechten sind unklar. Daher muss der historische Kontext der Menschenrechte bewusst gemacht werden.

Link zu den Thesen aller Workhsops