AP 46 | Warum sich der Gender Gap durch den Reißverschluss nicht schließen lässt

Eine Analyse der Repräsentation von Frauen im österreichischen Nationalrat

Die Politikwissenschaftlerinnen Sarah C. Dingler und Corinna Kröber haben sich mit der Frage beschäftigt, warum trotz Reißverschluss-Prinzip bei der Parteilistenerstellung für Nationalratswahlen der Frauenanteil im österreichischen Nationalrat bei gut einem Drittel stagniert.

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Die Ursachen für die Unterrepräsentation von Frauen im Nationalrat verorten die Autorinnen auf verschiedenen Ebenen: Zwar haben Frauen häufig niedrigere politische Ambitionen und damit auch weniger lokalpolitische Erfahrung als Männer, doch gibt es auch strukturelle Probleme, die Frauen vom Nationalrat fernhalten. Dazu gehört die Tendenz, erste Listenplätze an Männer zu vergeben – in Kombination mit der für Österreich typischen kleinen Wahlkreisgröße, wo meist nur ein Mandat zu vergeben ist, bedeutet das, dass auch bei einem Reißverschlusssystem bei der Listenerstellung vor allem Männer das Mandat erhalten.

Die Autorinnen plädieren daher für Quotenregelungen, aber auch für Maßnahmen, die das lokalpolitische Engagement von Frauen stärken soll – etwa durch Mentoringprogramme. Denn eine bessere Repräsentation von Frauen verbessert letztendlich auch die Demokratiequalität.

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Zu den Autorinnen:

Corinna Kröber ist seit Februar 2018 Postdoktorandin am Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft an der Leuphana Universität in Lüneburg. Ihr Doktorat hat sie an der Universität Salzburg absolviert. In ihrer Forschung interessiert sie sich insbesondere für Probleme der Repräsentation von Frauen und ethnischen Minderheiten. Außerdem untersucht sie den Zusammenhang zwischen Karriereprofilen und politischer Performanz von Premierminister*innen. Die Forschungsbeiträge von Corinna Kröber wurden in international begutachteten Zeitschriften wie dem Journal of European Public Policy, dem European Journal of Political Reserach, Representation und Comparative European Politics veröffentlicht.

Sarah C. Dingler ist seit März 2015 Doktorandin der Vergleichenden Politikwissenschaft an der Universität Salzburg. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Analyse politischer Institutionen und den Auswirkungen von Wahlsystemen sowie mit der politischen Repräsentation von Frauen. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie wie sich die Rekrutierungsmechanismen politischer Parteien auf die Repräsentation von Frauen in nationalen Parlamenten auswirken. Ihre Arbeiten sind in international begutachteten Zeitschriften erschienen (z.B. European Public Policy, Electoral Studies sowie Elections, Public Opinions and Parties).

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