AP 31 / Was entscheidet über die Chancen von Kindern?

JBZ AP 31 lehner

Von 898 Salzburger Kindern, deren Eltern Pflichtschulabschluss haben, werden nur 165 eine zur Matura führende Schule besuchen. Von 791 Kindern aus Akademikerhaushalten werden es 579 sein. Das bedeutet, dass Kinder aus höheren Bildungsschichten viermal so wahrscheinlich eine maturaführende Schule besuchen werden. Diese Zahlen errechnete im Auftrag der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (JBZ) der Politikwissenschaftler Thomas Lehner. Sie sind im JBZ Arbeitspapier 31 „Welche Faktoren entscheiden über die Chancen von Kindern“ nachzulesen.

Das Arbeitspapier beschäftigt sich mit den sozialen Faktoren, die den Bildungsweg von SchülerInnen beeinflussen. Die Bildung der Eltern und ihre berufliche Stellung werden als wichtige soziale Einflussfaktoren ausgemacht. Ein weiterer Faktor, der die Chancen von Kindern beeinflusst, ist der Wohnort. Kinder aus einwohnerstarken Gemeinden wechseln eher an höhere Schulen und kommen daher insgesamt zu höheren Bildungsabschlüssen.

Danach wird ein genauerer Blick auf das Bundesland Salzburg geworfen. Es kann gezeigt werden, dass Salzburg in vielen Bereichen des Bildungswesens nahe am österreichischen Durschnitt liegt. Die im Vergleich zu Österreich niedrigeren AHS- und Universitätsraten werden genauer analysiert. Es zeigt sich, dass aufgrund der ländlichen Struktur des Bundeslandes, ein großer Teil der SchülerInnen die Volkschule in kleinen Gemeinden besucht. Das wiederum wirkt sich auf ihre Übertrittsraten in HS/NMS und AHS-Unterstufen aus. Die niedrigen AHS- und Universitätsraten können daher mit der Verteilung der SchülerInnen auf kleine und große Gemeinden erklärt werden.

Der Einflussfaktor „Bildung der Eltern“ wird exemplarisch anhand der SchulanfängerInnen dargestellt. Für diese Arbeit verfolgte der Autor den (hypothetischen) Bildungsverlauf der 898 Kinder, deren Eltern einen Pflichtschulabschluss haben und den der 791 Kinder aus Akademiker-Haushalten.

Von den 898 Kindern, deren Eltern nur einen Pflichtschulabschluss haben, wechseln 133 an eine AHS-Unterstufe, während 765 sich für eine HS oder NMS entscheiden. Im weiteren Verlauf werden nur 165 der 898 Kinder eine Schule mit Matura in der Sekundarstufe II besuchen, während 355 eine Berufsausbildung an einer BS oder BMS beginnen und 378 an eine Polytechnische Schule wechseln.

Bei Kindern aus Akademiker-Haushalten sieht der Bildungsweg meist anders aus. Von den 791 Kindern wechseln 327 an eine AHS-Unterstufe und 460 an eine HS oder NMS. In der Sekundarstufe II besuchen 579 Kinder eine Schule mit Matura. Nur 126 beginnen eine Berufsausbildung und nur 65 wechseln nach der Sekundarstufe I in eine Polytechnische Schule.

Warum hohe Bildung – wirtschaftlich gesehen – erstrebenswert ist, wird im letzten Abschnitt gezeigt. Je höher die Bildung desto höher das Einkommen und die Erwerbsquote, während das Risiko arbeitslos zu werden sinkt.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass soziale Einflussfaktoren unfaire Voraussetzungen für die Kinder schaffen. Wenn nicht nur Leistungen über den Erfolg im Bildungswesen entscheiden, dann ist davon auszugehen, dass am Ende nicht die Besten am weitesten kommen, sondern jene, deren Voraussetzungen am günstigsten waren“, so der Autor.

Die Studie ist hier im Volltext zu lesen.

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