„Ich habe genug“ – Workshop von SOL und JBZ

ichhabegenug15 Interessierte nahmen am Workshop mit dem vielleicht für manche provokanten Motto „Ich habe genug“ teil, der heute in der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (JBZ) stattgefunden hat. Organisiert wurde er gemeinsam mit dem Verein SOL – Menschen für einen solidarischen, ökologischen und lustvollen Lebensstil im Rahmen der „Österreichischen Aktionstage für Nachhaltigkeit 2015“. Walter Galehr von SOL Salzburg schilderte zunächst die vielfältigen Aktivitäten der Initiative, die von Projekten wie Clean Euro oder Wohlstand statt Wachstum bis hin zu Kampagnen und Kooperationen mit anderen NGOs reichen. Anna Steger, ebenfalls SOL Salzburg, stellte den Aufruf „Ich habe genug“, eine Art Selbstverpflichtung für einen suffizienten Lebensstil sowie für zivilgesellschaftliches Engagement im Sinne einer nachhaltigen und fairen Welt, sowie das Projekt der Fern- und Nahkurse für Nachhaltigkeit von SOL vor. Mehr: www.ichhabegenug.at.

Hans Holzinger von der JBZ setzte sich in seinem Impuls in der Folge mit der Doppelfrage „Was ist genug“ und „Wer bestimmt, was genug ist?“ auseinander. Das subjektive „Genug“ könne durchaus für Menschen unterschiedlich sein. Notwendig sei die Selbsterkundung im Sinne von „Wo habe ich genug oder vielleicht sogar zu viel? Von was habe ich zu wenig?“ und der Austausch darüber mit anderen. Im Sinne von Nachhaltigkeit müsse es aber auch ein „objektivierbares Genug“, also eine Beschränkung des Ressourcen- und Naturverbrauchs, geben. Ein limitierter Pro Kopf-Verbrauch von Rohstoffen sei hier ebenso anzudenken wie Obergrenzen für Emissionen oder Energieverbrauch, so Holzinger. Wir bräuchten Lebensstile des Genug mit einer Neuinterpretation von Lebensqualität und politische Anreize wie Energie- und Ressourcensteuern oder gestaffelte Konsumsteuern, die Alltagsgüter gering und Luxusgüter hoch besteuern. Notwendig sei schließlich der Übergang in eine Postwachstumswirtschaft mit einer fairen Verteilung von Vermögen, Erwerbsarbeit und Einkommen: „Wenn der Kuchen nicht mehr wächst, müssen die Tortenstücke besser verteilt werden.“ SOL_Genug-WerkstattSalzburg_Folien

aktionstasgenachhaltigkeitIm dritten Teil des Workshops wurden in Untergruppen Antworten zu vorformulierten Fragestellungen im Kontext eines Lebensstils der Suffizienz sowie der Überwindung von Arm und Reich in der Gesellschaft bzw. in der Welt gesucht. Authentische Ansteckung anderer durch einen bewusst nachhaltigen Lebensstil, sich als Vorreiter fühlen etwa im Bereich „Autofreiheit“ oder „Regionale Ernährung“ sei hier ebenso wichtig – so einige Ergebnisse – wie die Forderung an die Politik, Suffizienz in Partei- und Regierungsprogramme aufzunehmen. In ganz Österreich finden in den nächsten Monaten solche „Genug“-Werkstätten statt, deren Ergebnisse am 12. September 2015 beim SOL-Symposium in Graz zusammengetragen und reflektiert werden. Download Ergebnisse

Mehrmals wurde von teilnehmenden der Wunsch nach weiteren konkreten Schritten geäußert. Anna Steger von SOL Salzburg wird ab Herbst 2015 einen „Genug“-Nahkurs anbieten. Seitens der JBZ ist ein „Salzburger Atlas für nachhaltige Entwicklung“ geplant, in dem Initiativen und Projekte dargestellt und die Vernetzung dieser gefördert werden.

Die Fragestellungen der „Genug“-Werkstatt:

Suffizienz persönlich: In welchen Bereichen hast du Befreiung vom Konsum erlebt? Wie ist es dazu gekommen? Was war dabei hilfreich? Wie kannst du andere auch dazu motivieren?

Suffizienz politisch: Wie können gesellschaftliche Kräfte uns bei unserem Weg zur Suffizienz unterstützen? Welche Organisationen unterstützen Suffizienz? Welche gesellschaftlichen Kräfte sollten dazu noch motiviert werden? Was fordern wir von gesetzgebenden Institutionen?

Gesellschaftlicher Wandel – persönlich: Wie kannst du persönlich zum Ausgleich von Arm und Reich – in Österreich und weltweit – beitragen, damit alle genug haben?

Gesellschaftlicher Wandel – politisch: Welche politischen Schritte sind notwendig, damit es in Österreich und weltweit zu einem besseren Ausgleich von Arm und Reich kommt?  Was fordern wir von gesetzgebenden Institutionen?

Aufruf „Ich habe genug“

  • Ich HABE genug.
  • Ich muss nicht immer mehr haben. Und die wirklich guten Dinge im Leben gibt es ja ohnehin umsonst…
  • Ich habe GENUG!
  • Ich fordere eine bessere Welt. Mit Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich und einer intakten Umwelt.
  • ICH habe genug …
  • … Fantasie und Kraft. Gemeinsam mit Gleichgesinnten bewege ich etwas.

Mehr: www.nachhaltig.at

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