„Die Dominanz effizienzbezogener Werte kann zu struktureller Diskriminierung führen“ | MR mit Elmar Schüll und Heiko Berner

Innovationen stehen hoch im Kurs. Meist werden von diesen ökonomische Effizienzsteigerungen erwartet. Innovationen sind nicht nur Veränderungen, sondern sie sollen das Leben der Menschen verbessern und dem Zusammenleben dienlich sein. Dies gilt insbesondere für soziale Innovationen. Die neuen Möglichkeiten der Datenerfassung und -verarbeitung bergen dabei aber auch Risiken, wie in dieser Montagrsunde am Beipiel algorithmusbasierter Zuweisung von Beratungsleistungen in der Arbeitsplatzvermittlung diskutiert wurde.

FH-Prof. Dr. Heiko Berner und FH-Prof. Dr. Elmar Schüll warfen in ihrem Vortrag einen kritischen Blick auf Innovationen und zeigten auf, wie häufig der Innovationsbegriff zur Legitimation von durchaus ambivalenten Entscheidungen verwendet wird. Am Beispiel algorithmusbasierter Arbeitsplatzvermittlung machten sie deutlich, dass die Dominanz ökonomischer und effizienzbezogener Werte mitunter nicht zur Steigerung der gesellschaftlichen Inklusion beitragen, sondern strukturelle Diskriminierung fördern können. Wenn anhand von Persönlichkeitsmerkmalen über Algortithmen die Vermittlungswahrscheinlichkeit von Arbeitssuchenden berechnet wird und auf dieser Basis selektiv Beratungsleistungen erbracht werden, so kann dies Menschen aufgrund von scheinbar objektiven Daten Chancen vorenthalten, so die Kritk der beiden an einem Tool, das derzeit am AMS in Österreich erprobt wird.

Foto: JBZ/Reinhard Geiger

1 Comment

  1. Mag. Gottfried Lochner

    Leider wurde niemand vom AMS zu der Veranstaltung eingeladen. Es hätten einige der offensichtlich diskutierten Themen klargestellt werden können. Die Vermittlung wird durch den Algorithmus in keiner Weise beeinflusst. Der Algorithmus enthält auch keine Persönlichkeits- sondern reale Arbeitsmarktdaten. Wie überhaupt keine Entscheidung auf Basis des Algorithmus gefällt werden und lt. DSGVO auch gar nicht gefällt werden dürfen.
    Interessanter erschienen mir da schon Untersuchungen, wie Xing, LinkedIn automatisiert für Unternehmen Personen aus der Datenbank als geeignet auswählen und vorschlagen. Welche Merkmale werden da verwendet und wie gewertet? Welcher Logik folgen diese Algorithmen?
    Der AMS-Logarithmus bildet lediglich die realen Chancen am Arbeitsmarkt ab und das mit einer beachtlichen Trefferwahrscheinlichkeit von 80%. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

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