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Kultur(en) des Friedens & Völkerverständigung und die Rückkehr des Nationalen | Auf Radio Bob zum Nachhören

Im ausklingenden Stille Nacht Jahr haben das Salzburger Friedensbüro und die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen zwei hochkarätig besetzte Tagungen veranstaltet. Radio Bob bringt Auszüge aus Vorträgen der Philosophin Isolde Charim und des ehemaligen österreichischen EU-Kommissars Franz Fischler. Hier zum Nachhören.

KULTUR(EN) DES FRIEDENS – harmonie. spannung. widerstand
war das Motto der Veranstaltung des Friedensbüros. Isolde Charim schrieb einen Text zur Eröffnung mit dem Titel „Der andere Name des Friedens“, der auf der Webseite des  Friedensbüros als pdf-File zum Download verfügbar ist.

Darin hat sie Friedenssehnsucht und die Kehrseite der Idylle – Ausgrenzung und Feindschaft – angesprochen.

Isolde Charim unterscheidet zwischen „begrenzten, also gehegten Konflikten“ und „ungehegten, unbegrenzten Konflikten“. Sie spricht den fundamentalen Unterschied zwischen „Kriegssubjekten“ und „Friedenssubjekten“ an. Den einen geht’s vor allem um Ab- und Ausgrenzung des Fremden, und um ihre Erfüllung in sozialer Harmonie. Die anderen können mit Ungewissem, Neuen umgehen und empfinden dies sogar als Bereicherung. Ebenso die öffentliche Debatte über unterschiedliche Ansichten und Lösungswege möglicher Konflikte.

Hinter der von vielen hierzulande angestrebten Idylle steckt eine Angsterzählung, die nach Ausgrenzung verlangt. Ein führender Ideologe der Rechten hat in den 1990er Jahren den Begriff der „Umvolkung“ ins Spiel gebracht. Die Angst davor führt dazu, sich innerhalb einer eigenen, abgeschlossenen, scheinbar harmonischen Gemeinschaft zu verschanzen.

Und zur Ausgrenzung jener, die nicht idyllisch gestimmt sind — weil sie von woanders herkommen; weil sie andere politische, religiöse Ansichten oder vielleicht eine andere sexuelle Orientierung haben, sich anders kleiden, nicht Schweinsbraten mit Knödeln essen, Konflikte nicht durch schöne Worte zudecken wollen, was auch immer.

Es gibt momentan wieder eine starke Sehnsucht nach Eintracht, Harmonie. Und viel Beifall für eine Politik, die keine Konflikte und Kontroversen austrägt, nicht diskutiert. Für eine Regierung, „die nicht streitet“, sondern stete Eintracht demonstriert.

FS1 — das Freie Fernsehen Salzburg – hat einige Videos auf der Veranstaltung gedreht, die auf YouTube publiziert wurden.

Gute Ausgangspunkte sind die URLs


http://fs1.tv/aktuelles/einzelansicht/article/kulturen-des-friedens-vortrag-von-isolde-charim.html
http://fs1.tv/aktuelles/einzelansicht/article/kongress-kulturen-des-friedens-aktionismus-und-widerstand.html

Franz Fischler ist ehemaliger Landwirtschaftsminister der Volkspartei und österreichischer EU-Kommissar. Er eröffnete die Tagung Zukunft:International – Völkerverständigung und die Rückkehr des Nationalen der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (JBZ) mit einem Vortrag über „Gesellschaften der Angst“ und das mögliche Ende von Globalisierung und Europäisierung.

Fischler sprach über Gemütslagen – was (und womit man) uns Angst macht – Globalisierung und Immigration – Ängste und Bedrohungen vor allem aus Sicht der Wähler rechter Parteien. Die trauen weder der EU, noch den eigenen Politikern.

Ganz anders als die Angst vor Immigranten sind die Herausforderungen und zentrale Zukunftsaufgaben, die es, so Fischler, ganz dringend zu lösen gälte:

Klimawandel ist das Problem schlechthin, sagt Fischler. Er wird dramatischer als angenommen, gerade in einem Gebirgsland wie Österreich, das bereits am absoluten Limit angelangt ist.

Digitalisierung birgt Chancen und Risiken für das soziale Zusammenleben und fürs Berufsleben. Innerhalb der nächsten 20 Jahre wird ein Drittel aller Jobs wegfallen; wie geht man mit diesen Arbeitslosen um? Für neue Arbeitsplätze braucht es drastische Änderungen im Bildungssystem und in der Bildungspolitik.

Urbanisierung und Ländliche Entwicklung: 200 Millionen Europäer leben momentan am Land. Von denen wird innerhalb der nächsten 20 Jahre die Hälfte in die Städte drängen, vor allem die Jungen.

– Ein starkes Bevölkerungswachstum in Afrika und Südamerika, sowie in Teilen Asiens, gleichzeitig weniger Bevölkerung und Überalterung vor allem in den wirtschaftlich schwachen Zonen Europas.

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