„Verbundenheit und Potenzialentfaltung fördern, leistungslose Vermögensanhäufung abschaffen.“ | Markus Pühringer in der Reihe JBZ-Zukunftsbuch

Anthropologische Studien sowie archäologische Funde zeigen, so Pühringer, dass die Menschen vor dem Aufkommen von Eigentum und Herrschaft ohne kriegerische Auseinandersetzungen gelebt hätten. Es habe weder Befestigungsanlagen noch Waffen als Grabbeigaben gegeben. Die Geschichte der Menschheit beginne bedeutend früher als uns die Herrschaftsgeschichtsschreibung weismache.

Materielle Sicherheit, Verbundenheit und Potenzialentfaltung sind für den Coach Markus Pühringer zentrale Grundbedürfnisse für ein gelingendes Leben. Wird in einem oder mehreren dieser Bereiche die „Schmerzgrenze“ – dies ein Begriff des Gehirnforscher Joachim Bauer – überschritten, geraten Gesellschaften in Krisen, die sich gewalttätig entladen können. So Pühringer im Gespräch mit Hans Holzinger am 31. Jänner 2019 bei der Vorstellung seines Buches „Herrschaftsfrei leben“ (Planet-Verlag).

Markus Pühringer im Gespräch mit Hans Holzinger über sein Buch „Herrschaftsfrei leben“

Mit dem Anthropologen David Graeber (Schulden. Die ersten 5000 Jahre) verwies Pühringer darauf, dass es in der Geschichte immer wieder Versuche gegeben hat, der Schuldknechtschaft zu entgehen. Mit Entschuldungen und der Neuverteilung von Besitz sollte der zu starken Vermögenskonzentration entgegengewirkt werden.

Am heutigen Kapitalismus kritisierte Pühringer die Anhäufung von Vermögen bei den Reichen, weil aus Geld mehr Geld gemacht werden kann. Anders als Unternehmen, die investieren, stehe hinter Finanzgewinnen oder Erbschaften keine Leistung, es handle sich hier also um leistungslose“Reichtumsprämien“. Pühringer bezog sich dabei u.a. auf Gerechtigskeitsvorstellungen von Thomas von Aquin. In der Abschaffung dieser leistungslosen Einkommen sowie in der Abkehr vom überzogenen Konsumverhalten sah der Autor zentrale Stellschrauben, um zu nachhaltigen Wirtschaftsformen ohne Wachstumszwang zu gelangen.

Die Förderung von Gemeinschaft(en) und die Möglichkeit der Entwicklung der eigenen Potenziale für alle Menschen würden mehr Lebensqualität bringen und auch die Demokratien stärken, so Pühringer. Die Unterbindung der Vermögenskonzentration maches es auch möglich, die vernachlässigten öffentlichen Leistungen zu erbringen.

Markus Pühringer studierte Volkswirtschaft in Linz, ist Referent für Citypastoral und selbständig im Bereich Supervision und Coaching tätig.

Fotos: Reinhard Geiger

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