„Wir brauchen positive Zukunftsbilder“ | Claudia Seigmann in der Reihe „JBZ-Projekte des Wandels“

Die Theatermacherin Claudia Seigmann hat im Rahmen der Sommer SZENE Salzburg ein spannendes Projekt umgesetzt, einen „Audiowalk“ durch Salzburg, eine Einladung, sich ein utopisches Salzburg vorzustellen. In der 54. Ausgabe unserer Reihe „Projekte des Wandels“ sprachen Hans Holzinger und Stefan Wally mit der Künstlerin über ihr Projekt. Das Gespräch ist auf JBZ TV nachzusehen. Hier ein kleiner Bericht.

Das Projekt Quartier2030 im Museumsquartier war das erste „Zukunftsprojekt“ von theaternyx – den Stadtraum bespielt die Gruppe bereits seit 2004. Die BesucherInnen waren eingeladen, sich das „bespielte“ Areal als Zukunftsraum vorzustellen. Für den Audiowalk „über.morgen“ wurde das Konzept ausgeweitet auf größere Räume. Einem Projekt in Linz folgte 2021 der „Stadtspaziergang“ der etwas anderen Art in Salzburg. An zehn Abenden waren die Teilnehmenden eingeladen, mit Kopfhörern ausgestattet, durch die Stadt zu gehen und den inspirierenden Utopien zu folgen. Die JBZ hatte das Vergnügen, hier dabei zu sein. Wir durchquerten den Hauptbahnhof, der zu einem Green Mobility Hub ausgebaut wurde – mit modernen Zügen, Bike- und Carsharing-Systemen, wir bestiegen einen Stadtbus (Linie 1) und fuhren zum Nulltarif. Wir spazierten durch den Mirabellgarten, der für Urban Gardening freigegeben wurde – es wächst dort im Jahr 2050 Gemüse, betreut von Stadtbewohner:innen.

In der Einladung ins Jahr 2050 kommen zahlreiche soziale Utopien vor, die auch in der JBZ seit vielen Jahren diskutiert werden: Gemeinschaftswohnen, neue Mobilitätslösungen, Nulltarif beim ÖV, ein neuer Zugang zu Arbeit: wir arbeiten 2050 nur mehr 15 Wochenstunden (was übrigens J. M. Keynes in ähnlicher Weise bereits 1930 für das Jahr 2000 prognostiziert hatte), Menschen haben genug Zeit für einander, für gegenseitige Sorge. Es gibt auch ein Grundeinkommen. Von früh an werden in den Schulen Erkenntnisse der Hirnforschung über den kooperativen Menschen vermittelt – im Text heißt dass „Neurohumanismus“. Daneben spielen technologische Innovationen eine Rolle: Bewegungskapseln, die Menschen an ihre Zielorte bringen, der Kurpark wird im Stadtspaziergang zum „Future Park“, in dem mit Vertical Farming sowie Biomimicry, also der Natur abgeschauten technischen Lösungen experimentiert wird. Und es gibt Gehsteige, von denen die Auftrittsenergie der Gehenden zurückgewonnen wird. Zu-Fuß-gehen spielt in der Stadt der Zukunft eine große Rolle, wobei das Gepäck mit Drohnen mitgeliefert wird. Das ist wohl ein ironischen Hinweis auf den Umgang mit Technik.

Im Gespräch betonte Claudia Seigmann, dass ihr Anliegen nicht ein geschlossener, neuer utopischer Gesellschaftsentwurf sei, sondern dass es ihr darum gehe, neue Zukunftsansätze vor- und zur Diskussion zu stellen. Ansätze, die an verschiedenen Ort bereits umgesetzt werden, wie Gemeinschaftsgärten, vertikale Farmen, modulares Bauen oder neue Arbeitszeitmodelle, oder die in der Literatur diskutiert bzw. in Labors bereits erprobt werden, etwa die Rückgewinnung von Bewegungsenergie oder der Natur abgeschaute nachhaltige technologische Lösungen. Ihr Ziel sei es, mit den Mitteln der Kunst den Vorstellungsraum für neue Ansätze zu erweitern und zum Weiterdenken anzuregen. gefragt nach ihrer liebsten Zukunftsutopie, nannte Seigmann das Grundeinkommen, das soziale Absicherung mit neuen kreativen Spielräumen verbinde. Als Wunsch an die Gesellschaft äußerste sie mehr Solidarität.

Das Interesse an den Audiowalks war groß und im Herbst wird es weitere „Aufführungen“ mit Salzburger Schulklassen geben. Im Gespräch ist auch ein Stadtspaziergang mit der Salzburger Stadtpolitik. Wir sind gespannt auf die Wirkung!

Bericht: Hans Holzinger, Technik und Videobearbeitung: Carmen Bayer

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