Walter Spielmann und Stefan Wally erinnern (sich) an Klaus Firlei

Es ist eine besondere Erfahrung, wenn Erwartungen ganz unerwartet zu Erinnerungen werden
Bei der Sitzung unserer Gremien am 5. März wird Klaus Firlei nicht mehr dabei sein. Das Gedenken an ihn wollen wir bewahren.

Auf Begegnungen mit Klaus Firlei durfte man sich freuen. Niemals waren sie Routine, sondern stets etwas Besonderes, immer wieder, auch nach mehr als 25 Jahren!

Es war, wenn wir uns richtig erinnern, Peter Krön, der den an der Universität Salzburg wirkenden Professor für Sozial- und Arbeitsrecht zur Mitwirkung einlud und ihn auch als seinen Nachfolger als Leiter der Robert-Jungk-Stiftung vorschlug. Diese Einladung hat Klaus Firlei, so dürfen wir rückblickend sagen, gerne angenommen. Sie sollte Wirkung zeigen: Unter seiner Leitung, die er mit profundem Wissen und Leidenschaft wahrgenommen hat, ist die „Zukunftsbibliothek“ zu einem anerkannten Ort der wissenschaftlich fundierten Diskussion und Auseinandersetzung mit zukunftsrelevanten Fragestellungen in Salzburg und weit darüber hinaus geworden.

Der jüngst zuerkannte Internationale Kulturpreis der Stadt Salzburg oder die von der JBZ angebotenen Ausbildungen zur Moderation von Zukunftswerkstätten sind dafür zwei Zeichen unter vielen. Unter seiner Anleitung wuchs die JBZ kontinuierlich, heute zählt sie mehr Mitglieder und mehr Besucherinnen und Besucher denn je.

Natürlich – so entsprach es seinem herzlichen, im Persönlichen stets bescheidenen Charakter – hat er dafür nie sich selbst, sondern immer die Arbeit des Teams ins Treffen geführt. Wir aber wissen, wie sehr er für uns konstruktiver Kritiker, Ideengeber und Ermutiger war.

Zweimal jährlich, bei jeder routinemäßigen Sitzung unsere Gremien durften wir das erleben. Wie kein anderer in unserer Runde war er über die neuesten Entwicklungen der Einrichtung informiert, kannte und reflektierte Themen, Thesen und Meinungen von Gästen der „Montagsrunden“, bewertete, wohlwollend und kritisch zugleich, die Entwicklung der „pro Zukunft“ und plädierte immer wieder vehement für eine eigenständige, radikal mutige und kritische Sicht und Analyse der Zeitläufte. Als mehrfacher Referent von „Montagsrunden“ stellte er immer wieder Thesen vor. Sein Ziel war dabei nicht, umfassende Zustimmung zu ernten. Er schätzte den Widerspruch, liebte es, wenn Argumente sich wechselseitig vorwärtstrieben. Vor wenigen Monaten erst diskutierte er beim „Deep Dive“ der JBZ zwei Tage lang mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und jungen Menschen über strukturelle Veränderungsmöglichkeiten unserer Gesellschaft.

Wo und wie auch immer er sich kundig, kritisch und ermutigend einbrachte: Es ging ihm um unser aller Zukunft. So stellte er immer wieder die Entwicklung des Kapitalismus infrage, hatte aber auch gut begründete Einwände gegen allzu hoffnungsfrohe Alternativen. Allzu optimistische Vorstellungen konfrontierte er immer wieder gern mit der ökonomischen und juristischen Realität.

Als Geschäftsführer der Jungk-Bibliothek wusste man sich mit Klaus Firlei als Vorsitzendem gut begleitet. Aktiv brachte er sich hinter den Kulissen ein, stärkte den Rücken, riet zu Veränderungen, bot sich als Partner für die Diskussion über die Weiterentwicklung der Einrichtung an.

Geschult als profunder Denker war ihm die Hinterfragung unserer Lebensweise ein humanitäres, existenzielles Anliegen. Darüber konnte mit ihm trefflich gestritten und in aller Freundschaft stundenlang diskutiert werden. Nicht zuletzt waren unsere Beratungen zum „Salzburger Landespreis für Zukunftsfragen“ für Klaus Firlei ein geschätztes Podium, um in intellektueller Auseinandersetzung und mit bestem Wissen und Gewissen zwar nicht Entscheidungen zu treffen, aber doch zumindest Vorschläge für eine bessere Zukunft zu machen. Wer Klaus Firlei als Laudator des von der Salzburger Landesregierung vergebenen Preises erleben durfte, weiß, woran wir denken.

Und auch abseits der Themen der Jungk-Bibliothek wurde er uns Freund, mit dem man sich über Geschichte, Fußball, Kultur und das Leben austauschen konnte. Gern erzählte er – wenn man ihn fragte – über seine Familie, die ihm über alles ging, und seine vielfältigen Erfahrungen, stets reflektiert, gern ironisch, nie belehrend. Und doch lehrreich.

Danke, Klaus, für all das, und für vieles mehr!

(c) Foto: Stadt Salzburg