AP 2 / Migration und schulischer Erfolg

Warum steigen Kinder mit Migrationshintergrund aus dem Bildungssystem aus? Und was kann man tun, dass dies später passiert? Mehr Information über die Bedeutung von Richtungsentscheidungen in der Bildungslaufbahn, das Einbinden der Eltern, ein respektvoller Umgang mit anderen Kulturen und sozial durchmischte Klassen: Diese vier Faktoren nennt die junge Salzburger Wissenschaftlerin Nimet Ünal als besonders wichtig, wenn man jungen Salzburgern mit Migrationsintergrund den Zugang zu mehr Bildung ermöglichen will.

Nimet Ünal studiert Erziehungswissenschaft im zweiten Semester Master, die Entscheidung für diese Studienrichtung traf sie, aufgrund ihres Interesses für gesellschaftliche, soziale und kulturelle Themen.

Die in Bischofshofen aufgewachsenen junge angehende Sozialwissenschaftlerin Nimet Ünal setzte sich mit folgendem Thema auseinander: Von den jungen Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund finden nur wenige den Weg bis in die höhere Bildung. Welche Erfahrungen machten die Betroffenen im Salzburger Schulsystem? Darüber hat sie mit acht jungen Salzburgern mit migrantischem Hintergrund die es bis an die Universität geschafft haben, lange Interviews gemacht. Was dabei herauskam liegt nun Form des wissenschaftlichen Arbeitspapiers „Migration und schulischer Erfolg“ vor.

Zum einen spiegeln sich in Interviews die Erfahrungen wieder, dass Eltern mit Migrationshintergrund von Kindern bei der Schulwahl von Volksschulabsolventen wenig informiert Standardentscheidungen treffen: „Informationsmangel in den heiklen Übergangsphasen zwischen den Schultypen im österreichischen Schulsystem wirken sich stark aus,“ meint Ünal.

Das zweite, in den Interviews wiederholt gefundene Thema, war die Rolle der Eltern. Mehrmals wurde berichtet, dass Lehrerinnen oder Lehrer, davon ausgingen, dass die Eltern der Kinder mit Migrationshintergrund weniger aktiv sind. Dies habe sich auch bei Entscheidungen zuungunsten des Schülers ausgewirkt. „Verstärkt wird dies dadurch, dass diese Eltern oft Elternabenden und Elternsprechtagen aus dem Weg gehen, auch wegen ihrer Sprachprobleme,“ so Ünal. Schulen können Beiträge leisten, diese Hürden zu reduzieren, so Ünal.

Die soziale Anerkennung des nicht-österreichischen Hintergrunds ist ebenfalls immer wieder von Bedeutung. Ünal zitiert aus dem Interview mit einem Hauptschüler, der von seinem Lehrer aufgefordert würde, über den kulturellen Hintergrund der Sprache seiner Eltern zu referieren. Für den ehemaligen Hauptschüler stellt dies im Nachhinein als eine wichtigen Punkt in seiner Bildungslaufbahn wieder: Es motivierte ihn besonders im Deutschunterricht. Das Gegenteil wurde natürlich auch erlebt: Schülerinnen und 14 Jahren, die vor der versammelten Klasse für die Religionspolitik der Republik Türkei verantwortlich gemacht werden. „Ein respektvoller Umgang mit den jungen Menschen kann diese genauso motivieren wie Vorurteil sie demotivieren können.“

Schließlich fand Ünal einen klaren Zusammenhang zwischen der sozialen Durchmischung von Gruppen und den sich dadurch ergebenden Perspektiven. Vor alle wenn in Schulklassen Kinder aus Familien verschiedener Kulturen und sozialer Hintergründe sich mischten, ergaben sich zusätzliche Motivationen für das Anstreben höherer Bildung.

Den Volltext des Arbeitspapiers finden Sie hier.

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