„Wut als Erfolgsfaktor“ | Social-Media-Expertin Ingrid Brodnig in einer JBZ-Montagsrunde

Laut einer US-Studie erzielten die 20 erfolgreichsten Fake-News mehr Aufmerksamkeit als die 20 erfolgreichsten Nachrichten, so einer der zahlreichen Befunde, die Ingrid Brodnig in der letzten Montagsrunde am 13. März, diesmal gemeinsam mit akzente Salzburg, referierte. Josef Hörmandinger von der Salzburger Landtagsdirektion stellte Fragen.

Warum erreichen gerade Fake-News in den sozialen Medien eine derartige Aufmerksamkeit?
Wut sei ein Erfolgsfaktor für Aufmerksamkeitssteigerung. Das gelte für die Politik, für normale Medien,  aber ebenso für soziale Medien, so die Social-Media-Expertin: „Wütende Wähler gehen eher wählen und sie teilen auch eher Meldungen.“ So habe die im Internet gestreute Falschmeldung „700 € Weihnachtsgeld für jeden Flüchtling“ in Deutschland in kurzer Zeit 180.000 Likes erzielt.
Wenn man über Fake-News spricht, könne man am Phänomen „Trump“ nicht herum. Trump-Wähler seien laut Untersuchungen am meisten für Falschmeldungen anfällig. Schlagzeilen wie „Papst unterstützt Trump im Wahlkampf“ hätten ihre Wirkung getan, so Brodnig.

Was kann gegen Fake-News unternommen werden?
Social Media spielen in Wahlkämpfen eine immer größer werden Rolle, so Brodnig, weil so Menschen gezielt angesprochen werden können. Dabei gäbe es aber Probleme, zum Beispiel können Likes gekauft werden. Leider seien auch die Verfehlungen im letzten Wahlkampf um die Fake-Seiten über Kurz und Kern trotz Beteuerungen nicht weiter aufgeklärt worden.

Brodnig plädierte für eine konsequente Anwendung des bestehenden Medienrechts auch auf Social Media. Politische Werbung im Internet müsse von den Plattformbetreibern transparent gemacht werden. Andererseits gäbe es eine selbstreinigende Kraft des Internet. Faktenchecker wie mimikama.at,  stimmtdas.org oder korrektiv.org seien darauf spezialisiert, Fake-News zu identifizieren und darüber im Netz zu berichten.

Mit „Hass im Netz“ und „Lügen im Netz“ (beide Verlag Brandstetter) hat Ingrid Brodnig selbst viel zur Aufklärung beigetragen.

Fotos: Reinhard Geiger/JBZ

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