Geflüchtete Menschen treffen Politik | Veranstaltung der JBZ im Auftrag des Landes Salzburg

„Einander zuhören“ – so lautete das Motto der Veranstaltung „Geflüchtete Menschen treffen Politik“, welche die JBZ am 14. März 2018 im Auftrag des Landes ausgerichtet hat. Hier ein Kurzbericht.

PolitikerInnen sollten mit in Salzburg lebenden AsylwerberInnen ins Gespräch kommen und diese ihre Anliegen vorbringen können, so das Ziel der Veranstaltung. Geplant war das Treffen mit 30 geflüchteten Personen, gekommen sind über 50 aus den Ländern Syrien, Irak, Iran, Somalia, Pakistan und Venezuela. Ein Drittel der Teilnehmenden stammte aus Afghanistan. An moderierten Tischen hatten sie die Möglichkeit, über ihre Situation zu berichten. Geladene ExpertInnen konnten Auskunft geben zu Fragen wie Asylbescheid, Ausbildung und Beschäftigung, Wohnen und Grundversorgung.

Was sind die Anliegen der Geflüchteten? Neben dem Dank, hier in Salzburg aufgenommen worden zu sein und Sprachkurse besuchen sowie an Integrationsprojekten teilnehmen zu können, kam sehr stark der Wunsch, sich durch eigene Arbeit den Unterhalt sichern zu können. Bezüglich Asylbescheid wurde mehrfach geäußert, dass die Verfahren sehr lange dauern und man in der Zeit des Wartens keiner Arbeit nachgehen könne. Insbesondere von jungen Afghanen wurde mehrfach mitgeteilt, dass die Sicherheitslage in ihrem Land falsch eingeschätzt werde und viele von ihnen zu Unrecht keinen positiven Asylbescheid erhalten würden.

Seitens der Politik waren der Einladung die Integrationssprecherinnen dreier Landtagsparteien – LAbg. Daniela Gutschi (Klubobfrau der ÖVP), LAbg. Ingrid Riezler (SPÖ) und LABG. Barbara Sieberth (Grüne) – sowie als kommunale Vertreterinnen GR Andrea Brandner (Klubobfrau der SPÖ im Gemeinderat der Stadt Salzburg), Vizebürgermeisterin Sabine Mayrhofer (SPÖ, Oberndorf) und GR Andrea Unterrainer (ÖVP, Thalgau) gefolgt.

Plädoyers für eine humane Asylpolitik

Vorschläge der Politikerinnen bezogen sich auf die noch bessere Integration von Asylwerber*innen ins Gemeindeleben, etwa in Sportvereine, die Herstellung von persönlichen Kontakten zur Gemeinderatsvertretung, aber auch auf politisches Engagement für faire Asylverfahren sowie den Ausbau des humanitären Bleiberechts, wenn Flüchtlinge bereits gut integriert sind. Politiker*innen auf Landes- und Kommunaleben sollten ihre Kommunikationskanäle zur Bundespolitik nutzen.

Die Ideen- und Auftraggeberin der Veranstaltung, Landesrätin Martina Berthold, hat in diesem Sinne in einer parteiübergreifenden Initiative von Land Salzburg und den Sozialpartnern  ein Ende der Abschiebung von Asylwerber*innen in Lehrausbildung gefordert.

Die Veranstaltung war ein gelungenes Beispiel für einen offenen und konstruktiven Dialog über die Lage von in Salzburg aufgenommenen Flüchtlingen. Resümee: Zivilgesellschaftliches Engagement für eine humane Asylpolitik wird auch in Zukunft von großer Wichtigkeit sein.

Dank an alle Mitwirkenden

Unser Dank gilt allen Mitwirkenden. Den Expert*innen Werner Pichler und Stefanie Slamanig (BFI), Nicole Slupetzky und Denis Walter (VHS), Angela Gfrerer (BIBER – Bildungsberatung), Julia Graffer (Österreichischer Integrationsfond), Gottfried Lochner (AMS Salzburg), Norbert Hemetsberger (Wirtschaftskammer, Bereich Lehrlingsausbildung) sowie den Fachreferenten des Landes Andreas Eichhorn (Grundversorgung), Franz Neumayer (Regionalkoordination Integration) und Gerhard Feichtner (Asylfragen).

Die Dialoge begleitet haben die TischmoderatorInnen Christine Bauer-Grechenig (BIBER), Andrea Folie (Salzburger Bildungswerk), Ursula Liebing (Plattform Menschenrechte), Hans Peter Graß (Friedensbüro), Manuela Pleninger (akzente Salzburg) sowie Daiva Döring (Integrationsbeauftragte Stadt Salzburg). Für die Übersetzung der Gespräche danken wir den Sprachhelfern von akzente Salzburg Batool Raheem, Rahim Tajik, Fasih Omerpur, Walid Ali, Basel Safrhaji ind Khaled Aldali.

Großer Dank gebührt auch jenen, die im Plenum über ihre Asylgeschichte und Integrationserfahrungen berichtet haben, sowie den Frauen der Projektgruppe „PAGES – Partizipations- und Gesundheitskompetenz von AsylwerberInnen und anerkannten Flüchtlingen in Salzburg“ unter der Leitung von Doris Urbanek, die nicht nur an den Dialogen teilgenommen, sondern auch das köstliche Buffet zubereitet haben.

Nicht zuletzt danken wir Markus Pausch von der FH Salzburg für die gemeinsame Konzeption der Veranstaltung und jenen Organisationen, die uns in der Einladung der Asylwerbenden unterstützt haben, die Flüchtlingshäuser der Caritas in der Plainstraße sowie des Roten Kreuzes im Flussbauhof, die Flüchtlingsinitiativen in Thalgau und Oberndorf  sowie dem BFI und der VHS, die in ihren Kursen auf die Veranstaltung hingewiesen haben. Heiko Berner und Heike Rainer von der FH Salzburg (Projekt PAGES) sowie Reinhard Geiger und Anna Steger von der JBZ gilt Dank für organisatorische Unterstützung.

Literaturtipps: In den JBZ-Arbeitspapieren Nr. 37 „Zukunft Migration“ sowie Nr. 38 „Flüchtlinge im Dialog“ werden Aspekte einer humanen und konstruktiven Migrations- und Asylpolitik thematisiert.

Text: Hans Holzinger (Projektleiter, JBZ), Fotos: Reinhard Geiger (JBZ).

 

 

 

 

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