Wie die Umsetzung des Windparks Munderfing gelang | Präsentation eines JBZ-Arbeitspapieres und Diskussion mit den zentralen Akteuren

Eva Frisch und Nikolina Sokic haben in einem JBZ-Arbeitspapier die Umsetzung des Windparks in Munderfing einer politikwissenschaftlichen Analyse unterzogen. Was waren die Gelingensfaktoren? Wo gab es Hürden? Welche Akteure und Akteurinnen waren am Werk? Soweit einige der gestellten Fragen. Am 31. Oktober 2018 wurde das Arbeitspapier unter Mitwirkung von Bürgermeister Martin Voggenberger, Amtsleiter Erwin Moser, Gerhard Löffler vom Land Salzburg und Margarete Forte von EWS Consulting präsentiert.

Ein transparentes Vorgehen, das Ernst-Nehmen auch kritischer Stimmen, der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses aller Partner, Maßnahmen der Bewusstseinsbildung bereits im Vorfeld sowie – generell – ein innovationsfreundliches Klima in der Gemeinde – dies nannte Sokic (im Bild mit Bürgermeister Voggenberger und Moderatorin Birgit Bahtic-Kunrath von der JBZ) als wesentliche Gelingensfaktoren für das Projekt. Der politische Konsens aller Parteien im Gemeinderat habe eine überparteiliche Kooperation ermöglicht. Zudem sei es gelungen, die Vorteile des Windparks, der von der Gemeinde selbst und nicht von externen Partner umgesetzt wurde, für die Bürger und Bürgerinnen herauszustreichen. Es ging um die Aufwertung des Standorts, die Umsetzung eines Prestigeprojekts, zudem war wichtig, dass die Erträge für weitere Gemeindeprojekte verwendeten werden sollen und damit allen GemeindebürgerInnen zu Gute kommen würden.

Dies bestätigte auch Bürgermeister Voggenberger, der das Ziehen aller an einem gemeinsamen Strang, das Dranbleiben der zentralen Akteure sowie die positive Verankerung des Projekts in der Bevölkerung hervorhob. Die Amortisation des Windparks, der 24 Millionen Euro an Investitionen erforderte, bezifferte Voggenberger mit 10-12 Jahren. Danach soll die Anlage Gewinne abwerfen, die etwa für den Ausbau eines Glasfasernetzes und der weiteren Förderung von e-Mobilität verwendet werden sollen.

Der Windpark ergibt jährlich an die 3,2 Millionen Euro an Erträgen aus dem Stromverkauf, mit denen die Kreditraten abgezahlt werden. Da die Erträge höher sind als prognostiziert, wird das Amortisationsziel von 10-12 Jahren auf jeden Fall halten, berichtete Amtsleiter Moser. Dies bei einer per Vollwartungsvertrag gewährleisteten  Mindestlaufzeit von 20 Jahren.

Margarete Forte von EWS Consulting, jener in Munderfing ansässigen Firma, die den Prozess der Umsetzung begleitete und Minderheitenanteile am Windpark hält (75,2 Prozent hält die Gemeinde, je 12,4 Prozent EWS und die Energie AG), betonte die intensive Bewusstseinsbildungsarbeit und das Engagement der Gemeinde in Person des Bürgermeisters und Amtsleiters als wesentliche Gelingensfaktoren.

Gerhard Löffler von der Energieabteilung des Landes blieb es, auf die Situation in Salzburg einzugehen. Er informierte, dass Windenergie als Teil des Energiemixes zur Erreichung der Klima- und Energieziele auch für Salzburg notwendig wäre. Die teilweise große Zustimmung zur Windenergie – im Flachgau etwa an die 80 Prozent – werde durch die Gegner der Windkraft geschmälert, da diese sich einfach lauter zu Wort melden. Der Lungau sei als Standort wichtig, weil dort in Salzburg eben das größte Windaufkommen zu finden sei. Die Energieabteilung des Landes Salzburg werde für die geplante Abstimmung über die Nutzung der Windenergie im Biosphärenpark Lungau mit sachlicher Information zur Aufklärung der Bevölkerung beitragen. Entscheidend seien, so Löffler, handelnde Personen vor Ort, die vorangehen. Dies könne man von Munderfing lernen. Es wäre natürlich vieles einfacher, wenn sich Gemeinden wie eben in Munderfing dazu entschließen würden, selbst Betreiber von Windkraftanlagen  zu werden.

In der folgenden Diskussion mit den Teilnehmenden, die alle pro Windenergie eingestellt waren, wurde insbesondere das glaubwürdige Vorangehen der Politik sowie das frühzeitige Gespräch mit Tourismus und Naturschutzverbänden hervorgehoben. Die Moderatorin Birgit Bahtic-Kunrath bekräftigte aus politikwissenschaftlicher Sicht die Notwendigkeit starker und attraktiver Erzählungen, bei denen der Zeit die Windkraftgegner voran liegen würden.

 

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