Warum Frauen in der Politik unterrepräsentiert sind? Rückblick auf eine Montagsrunde

Der Anteil der Frauen im österreichischen Parlament liegt derzeit bei 34 Prozent. EU-Spitzenreiter sind die skandinavischen Ländern: Schweden mit knapp 44 Prozent, Finnland mit 42 Prozent und Norwegen mit 41,4 Prozent. Am unteren Ende befindet sich Ungarn mit nur 10 Prozent Frauenanteil. Die Daten entstammen einem JBZ-Arbeitspapier der Politikwissenschaftlerinnen Sarah C. Dingler und Corinna Kröber, das sie am 25. Februar 2019 in der 125. Montagsrunde – diesmal gemeinsam mit dem Frauenbüro der Stadt Salzburg – präsentiert haben. Im Bild die Autorinnen mit der Frauenbeauftragten der Stadt Salzburg Alexandra Schmidt und Moderator Stefan Wally von der JBZ.

Frauen sind stark vertreten in Ausschüssen zu Themen wie Familie oder Bildung, aber kaum in Ausschüssen zu Verkehr, Finanzen oder Wirtschaft, auch wenn diese Bereiche Frauenagenden ebenso wesentlich betreffen, so Corinna Kröber. Und nur 25 Prozent der Ausschüsse im österreichischen Parlament würden von Frauen geleitet. mehr Frauen in politischen Positionen seien wichtig, weil diese ihre Erfahrungshintergründe einbringen. Kröber sprach von „Politik der Anwesenheit“ und zitierte eine internationale Studie, dergemäß die Zufriedenheit mit der Demokratie in jenen Ländern am höchsten ist, die auch einen hohen Frauenanteil aufweisen.

Sarah C. Dingler benannte mehrere Barrieren, die Frauen von der Politik abhalten würden. Politische Ambitionen seien in der Bevölkerung generell gering, bei Frauen jedoch noch geringer. Frauen hätten häufig weniger Zutrauen, sie stellen Aspekte wie Familie in den Vordergrund. Der niedrige Anteil von Frauen in der Kommunalpolitik als Rekrutierungsfeld für höhere Funktionen führe auch dazu, dass diese in den Parlamenten geringer vertreten sind. Das Reißverschluß-Prinzip helfe nur bedingt, da in vielen Wahlkreisen nur die Listenoberen zum Zug kämen. Wirksamer wäre, so Dingler, eine Quote bei den „realistischen Listenplätzen“. Als Barriere in manchen Ländern wurde auch das Wahlrecht genannt.

Die Expertinnen plädieren für Mentoringprogramme, in denen Frauen ermutigt werden, in die Politik zu gehen. Zudem sei ein weiteres Umdenken in den Parteien nötig, denn Frauen müssten mehr eingeladen werden in die Politik zu gehen.

Link zum Arbeitspapier

Text: Hans Holzinger Foto: Reinhard Geiger

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