Marianne Gronemeyer über die Grenze als Paradox der Moderne

Tipp: Interview von Josef Bruckmoser in den Salzburger Nachrichten

Die Grenze als Hüterin der Verschiedenheit sei eine sinnvolle Schranke gegen eine imperialistische Welteinheitsunkultur und Gleichmacherei, so Marianne Gronemeyer bei der Vorstellung ihres Buchs „Die Grenze. Was uns verbindet, in dem es uns trennt“ in der 48. Ausgabe von JBZ-Zukunftsbuch. Die Grenze verstanden in diesem Sinne sei auf Komplementarität, Dialog und gegenseitige Anerkennung angewiesen. Grenze im Sinne von Abgrenzen bewirke das Gegenteil: „Wer sich abgrenzt, sperrt sich selber ein.“

Gronemeyers Buch enthält sieben Essays, die das Thema Grenze aus unterschiedlicher Perspektive behandeln. Es geht um Behausung, Gastfreundschaft und Schwellenbewusstsein, um die Fragwürdigkeit von Grenzwerten und die Manie, alles berechnen zu wollen, um die Festlegung von Obergrenzen des vermeintlich Zumutbaren im Kontext von Flüchtlingen sowie um die Grenzen des Wachstums.

Die Angst vor Flüchtlingen rühre nicht von deren Fremdheit her, sondern vielmehr daher, dass diese dasselbe wollen wie wir, nämlich materiellen Wohlstand, den wir so bedroht sehen, so Gronemeyer. Die Grenzen des Wachstums seien zwar bekannt, würden aber nirgends befolgt, da unser Wirtschaftssystem auf Wachstum angelegt sei. So kämen wir in die widersprüchliche Lage, konsumieren zu müssen um die Wirtschaft in Gang zu halten, zugleich sollten wir aber das Klima schützen.

Marianne Gronemeyer insistierte auf dem Recht auf Anderssein, dem Recht auf „meine Art des Daseins“, auf Achtsamkeit und wirkliche Begegnung. Die „erzählte Welt“ sei in diesem Sinne der „gezählten Welt“ vorzuziehen. Gronemeyers Buch „Die Grenze“ und weitere Bücher der Autorin, etwa „Das Leben als letzte Gelegenheit“ oder „Genug ist genug“, sind in Buchhandlungen erhältlich. Wirklich lesenswert!

Der Vortrag wird demnächst als Audiodatei zum Nachhören online gestellt. In den Salzburger Nachrichten erscheint ein Interview mit Marianne Gronemeyer, geführt von Josef Bruckmoser. Ausschnitte aus dem Film „Preis der Freiheit“ können online angesehen werden.

Bericht und Einführung: Hans Holzinger, Foto: Reinhard Geiger

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