ZB 47 | Marianne Gronemeyer: Die Grenze – Nachdenken über ein Paradox der Moderne | 16.5.

„Je mehr wir versuchen, Grenzen zu überwinden und aufzulösen, desto stärker kehren sie zurück: sei es in Form von >Grenzwerten<, sei es in Form von >Obergrenzen< des vermeintlich Zumutbaren.“ So Marianne Gronemeyer, Trägerin des Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung 2011, in ihrem neuen Buch „Die Grenze. Was uns verbindet, in dem es trennt.“ (oekom, 2018)

Wir freuen uns, dass sie am 16. Mai in der Robert-Jungk-Bibliothek zu Gast ist. Beginn: 19 Uhr, Strubergasse 18. Hier geht es zur Anmeldung.

„Grenzen“ sind für Marianne Gronemeyer etwas Amivalentes und Vielschichtiges. In sieben Essays nähert sich die Autorin unterschiedlichen Facetten des Themas. In „Drinnen und Draußen“ etwa geht es um die „Schlüsselgewalt“, die Bedeutung von „Behausung“ und was es bedeutet, wenn Menschen gleich Dingen in „Containern“ untergebracht werden. In „Schwellen – Türen – Wände“ räsoniert Gronemeyer über Gastfreundschaft und Respekt, in „Wachsen und Lernen – zwei Grenzerfahrungen“ über den Machbarkeits- und Konsumwahn der Moderne – in Erinnerung an Ivan Illich. Hier kommt die Autorin auch auch auf die „Limith to Growth“ und dem Dilemma unseres Wirtschaftens zu sprechen: „Was im Kapitalismus ökonomisch unerlässlich ist, ist ökologisch untragbar.“ (S. 82)

In „Grenzenlose Grenzwerte“ verweist uns die Autorin auf die trügerische Sicherheit von naturwissenschaftlich festgelegten Grenzwerten, in „Grenzen wahren“ auf den verengten Blickwinkel der Optimierung. „Der Austausch des >Mehr vom Gleichen< durch >Besseres vom Gleichen< schneidet den Weg zum Ganz-Anderen endgültig ab.“ (S. 153) Und schließlich wendet sich Gronemeyer dem Thema „Flüchtlinge“ zu. In „Ankunft ohne Zukunft“ geht es darum, dass freie Grenzübergänge nur den Privilegierten vorbehalten sind, in „Wir und die Anderen“ um die neuen Grenzziehungen, ein Thema, „das die politischen Verhältnisse durcheinanderwirbelt und das wohl auf lange Sicht nicht zur Ruhe kommen wird.“ (S. 195)

Ein vielschichtiges, nachdenkliches Buch. Wir freuen uns, dass wir mit Marianne Gronemeyer in unserer Reihe „Zukunftsbuch“ darüber sprechen können.

Zur Autorin

Marianne Gronemeyer war lange Zeit Professorin für Erziehungs- und Sozialwissenschaften und beschäftigt sich in ihren Publikationen u.a. mit dem Geschwindigkeitsrausch unserer Gesellschaft und der Versäumnisangst des modernen Menschen. Sie wendet sich globalisierungskritisch gegen die Welteinheitskultur des Konsumismus und plädiert für kulturelle Vielfalt. Zu ihren zentralen Büchern gehören „Das Leben als letzte Gelegenheit“ und „Die Macht der Bedürfnisse“. 2018 erschien der Band „Die Grenze. Was uns verbindet, indem es trennt“ (oekom, 231 S., € 22,-) 2011 erhielt Marianne Gronemeyer auf Vorschlag der Robert-Jungk-Stiftung den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung.

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