„Förderung der Erstsprache in der Schule unterstützt den Lernerfolg“ | Prof. Vladmimir Wakounig in der 130. Montagsrunde

Univ. Prof. Vladimir Wakounig von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt plädierte in der Montagsrunde am 27. Mai 2019 für die Förderung von Zweisprachigkeit in den Schulen. Der Erziehungswissenschaftler – im Bild mit Moderator Stefan Wally – betonte die zentrale Rolle der Erstsprache für die Sprachentwicklung bei Migrantenkindern. Die Förderung der Erstsprache im Unterricht unterstütze den Schulerfolg und sei der Grundstein für das Erlernen weiterer Sprachen. Der Erwerb der Mutter-/Erstsprache sei mit dem Schuleintritt nicht abgeschlossen, der Erwerb der Mutter-/Erstsprache dürfe in der Schule NICHT unter-/ oder abgebrochen werden.

Wie sieht die Situation in Österreich und Salzburg derzeit aus?

Im Schuljahr 2016/17 gab es knapp 220.00 SchülerInnen mit anderen Erstsprachen an allgemein bildenden Schulen, was etwa 25 Prozent aller SchülerInnen entspricht. Doch nur knapp 15 Prozent besuchten einen muttersprachlichen Unterricht. Fast 85 Prozent sind ohne schulische Förderung der Muttersprache. In Salzburg lag der Anteil der betroffenen SchülerInnen, die muttersprachlichen Unterricht besuchten, mit 13 Prozent
noch niedriger. Es fehle an entsprechenden Angeboten, weil der Unterricht nur ab einer Mindestzahl an SchülerInnen zustande komme, so Wakounig.

Der Experte referierte auf der Basis einschlägiger Studien folgende Ergebnisse: Schulisches Lernen in der Erstsprache behindert NICHT den Erwerb der Zweitsprache (bspw. Deutsch). Je stabiler die Erstsprache ist umso leichter und effizienter ist der Erwerb anderer Sprachen. Die schulische Sprachbildung in der Erstsprache soll über mehrere Jahre gefördert werden. Schulische Sprachbildung in der Erstsprache fördert die affektive Stabilität, das positive Selbstbild und das Selbstbewusstsein von Kindern.

In der anregenden Diskussion mit den gut 30 Interessierten wurden weitere Vorschläge zur Förderung der Mehrsprachigkeit eingebracht, etwa die Einbindung von Eltern der Migrantenkinder sowie die Gestaltung eines multikulturellen Unterrichts.

Ein Interview mit Univ. Prof. Wakounig erscheint demnächst auf JBZ TV.

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