Nachlese: Eine Zukunft in den heißen Städten?

Erstmals hat die JBZ eine Montagsrunde im August gewagt – passend zur Jahreszeit über die Möglichkeiten urbaner Anpassung an den Klimawandel.

Im voll besetzten JBZ-Veranstaltungsraum sprachen 4 Experten darüber, was Städte gestalterisch unternehmen können, um auch in Zeiten des Klimawandels lebenswerte Räume zu bleiben: Die Landschaftsarchitekten Daniel Zimmerman und Oliver Gachowetz, der Stadtklimatologe und Windforscher Simon Tschannett und der Mobilitätsexperte Michael Szeiler stellten gemeinsam entwickelte Projekte vor, die vor allem auf die Begrünung des Straßenraums abzielen um damit eine lebenswerte Stadt auch in Zeiten hoher Temperaturen zu erhalten.

Auch wenn im Zentrum die Anpassung an den Klimawandel in der Stadt stand, betonte Oliver Gachowetz, dass an einer Reduktion von CO2 kein Weg vorbeiführe und Anpassung Klimaschutz niemals ersetzen könne.
Ein zentraler Aspekt für einen angenehmen Lebensraum in der erhitzten Stadt ist die Rücknahme von Versiegelung, welche für Hitzeinseln an heißen Tagen verantwortlich ist. Dies betrifft vor allem den Straßenraum, der nach wie vor unhinterfragt hauptsächlich dem motorisierten Verkehr überlassen wird. Anhand eines Querschnitts einer vielbefahrenen Wiener Straße wird ersichtlich, was dies in Praxis bedeutet: Von 22 Metern Fahrbahnbreite stehen 15 Meter dem motorisierten Verkehr zur Verfügung. Der Rest entfällt auf Radfahrer, Fußgängerinnen und mitunter einem schmalen Grünstreifen, der nicht genügend Platz bietet für die wichtigsten „Retter“ des Stadtklimas: die Bäume.

Daniel Zimmermann und Oliver Gachwetz betonten, dass Bäume nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgreich – das heißt auf Jahrzehnte – Bestand haben können. Diese Voraussetzungen, etwa genügend Erdreich für den Wurzelstock, würden häufig ignoriert, und das Potenzial der Bäume so nicht ausgeschöpft.

Als Lösung wurde das Konzept der „Schwammstadt“ präsentiert: Eine Stadt, die den Tiefbau so organisiert dass Bäume sich auch an stark frequentierten Straßen adäquat entwickeln können und so maßgeblich zur Reduzierung der gefühlten Temperatur beitragen. Michael Szeiler bemerkte dazu, dass dafür auch neue Konzepte von Mobilität entwickelt werden müssten, da derzeit Autos – auch in Form von „ruhendem Verkehr“ auf Parkplätzen – große versiegelte Flächen benötigen. Als Erfolgsbeispiel wurde ein Straßenabschnitt in Mödling präsentiert, der im Konzept der Schwarmstadt „entsiegelt“ und als Lebensraum für alle völlig neu entworfen wurde.

Im Anschluss gab es eine rege Diskussion zur Umsetzbarkeit der präsentierten Vorschläge in Salzburg. Besonders freut uns, dass zahlreiche ExpertInnen aus Planungsämtern von Stadt und Land wertvolle Inputs lieferten. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt der Zukunft ein „klimafitter“ Lebensraum für alle wird.

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