Lebensmanifest anlässlich des Earth Day 2020 – Appell an die Bundesregierung

Eine Gruppe engagierter Menschen aus Institutionen der Österreichischen Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft wendet sich anlässlich des weltweiten Earth Day am 22. April mit einem offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz und die Mitglieder der Bundesregierung. Die großen Chancen für eine sozialökologische Wende, die sich bei einem „Neustart“ aus der außergewöhnlichen Situation durch die Coronakrise ergeben, sollen ergriffen werden. Neben den Initiatoren Wolfgang Pekny, Fritz Hinterberger und Gerhard Frank, den Schriftstellern Robert Menasse und Ilja Trojanow zählt auch JBZ-Mitarbeiter Hans Holzinger zu den ca. 50 Erstunterzeichnenden. Das Manifest in vollem Wortlaut und die Liste der Erstunterzeichner*innen ist auf der Website des Club of Rome – Austrian Chapter öffentlich nachzulesen. Alle Menschen, die in Österreich leben, haben die Möglichkeit, dieses Lebensmanifest über www.aufstehn.at zu unterstützen. Die Grafik zeigt die Transformationspfade bis 2040 an.

Statt kostenintensives Wiederherstellen des Zustandes vom Jänner des Jahres sollen Maßnahmen und Investitionen in eine nachhaltige und faire Zukunft getätigt werden. Diese werden helfen, auch andere, aktuelle und zukünftige Krisen abzuwenden. Die Lektionen aus der Krise zeigen, dass vorsorgliches Agieren, balanciertes Abwägen, solidarisches Handeln und Wertschätzen grundsätzlicher Lebensprinzipien hilfreiche Leitprinzipien für die Politik sein können.

Mit dem #Lebensmanifest skizzieren die Unterstützer*innen einige Rahmenbedingungen für die anstehenden Entscheidungen zum Gestalten einer Welt, in der wir leben können – und wollen!

Das Lebensmainfest im Wortlaut

LEBENSMANIFEST

Das Manifest drückt unsere Sorge, aber auch Hoffnung aus, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Was uns die Krise durch COVID-19 gelehrt hat:

  • Wir haben begriffen, dass wir als Menschheit alle im gleichen Boot sitzen
  • Wir haben die Wichtigkeit von Regionalität wiederentdeckt, ohne jedoch das große Ganze aus den Augen zu verlieren
  • Wir haben begriffen, dass nur gemeinsames, solidarisches Handeln die gewünschten Effekte für Alle bringen kann.
  • Wir haben bewiesen, dass wir uns verändern können. Als Menschen und als Gemeinschaft.
  • Wir haben erlebt, dass es noch nicht zu spät ist. Wir haben gelitten und gebangt. Im Gegenzug hat uns die Natur mit ihrer Regenerationskraft Hoffnung gegeben.

Jetzt gilt es, das Hochfahren von Wirtschaft und Gesellschaft im Sinne dieser Lehren für die nächsten großen Aufgaben zu nutzen:

  • Klimakrise stoppen – Natur entlasten – weltweit Ungerechtigkeiten, Kriege, Armut und Hunger beenden.

Dies gelingt durch:

  • eine Wirtschaft, die sich an den Regeln des Lebens orientiert und jeder, jedem Einzelnen eine gedeihliche, würdevolle Existenz ermöglicht.
  • Solidarität und größerer Fairness innerhalb von Gesellschaften und zwischen Nationen.

Und führt zu einer menschlichen Welt für alle, gekennzeichnet von:

  • Ökologischer Fairness: faire Teilhabe an Ressourcen und Senken
  • Sozialer Fairness: faires Teilen von sinnvoller und notwendiger Arbeit
  • Wirtschaftlicher Fairness: faire Teilhabe an Besitz und Vermögen
  • Politischer Fairness: faire Teilhabe an Entscheidungen

Wir, die Unterzeichner*innen sind vom Gelingen überzeugt.
Die Chancen dafür waren noch nie so groß. Daher formulieren wir die folgenden

FORDERUNGEN

  • Festhalten am Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 (wie im Regierungsprogramm festgeschrieben). Das bedeutet:
    • Halbierung der THG-Emissionen bis zum Jahr 2030 oder mind. 5% pro Jahr ab dem Jahr 2020
  • Reduzierung des Ökologischen Fußabdrucks und nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen durch Kreislaufschließung

Damit dies gelingt, müssen die für den Wiederaufbau der Wirtschaft vorgesehenen Mittel in folgende Transformationspfade investiert werden:

  • Soziale Ökologisierung des Geld- & Steuersystems inklusive
    • CO2-Zertifikate mit einem Preis von mindestens 300 €
    • Unbürokratische, nicht-rückzahlbare Unterstützung für ein bedingungsloses Auskommen aller von Armut Betroffenen
    • Ko-Finanzierung der Maßnahmen durch Wohlhabende, Finanzsektor und internationale Konzerne
  • Energiebedarf reduzieren und naturverträgliche Erneuerbare Energien ausbauen, statt in der Abhängigkeit fossiler Brennstoffe zu verbleiben
  • Kohlenstoffarme Kreislaufwirtschaft inklusive Abbau klimaschädlicher Subventionen wie im Klimavolksbegehren skizziert
  • Regionalisierung von Wirtschaftskreisläufen zur Verringerung von Importabhängigkeiten und Erhöhung der Widerstandskraft
  • Nachhaltige Lebensmittelproduktion und Ernährung – Umbau zu ökologischer Landwirtschaft fördern
  • Wiederaufforstung mit klimafitten, naturnahen Wäldern
  • Ökologisierung des Wohnbaus (insbesondere Gebäudesanierung) und Ökologisierung der Mobilität (inklusive Verkehrsinfrastruktur Bahn, Bus, Rad, fußfreundliche Wegenetze)
  • Eine flächendeckende transformative Bildung als Grundlage für einen gesunden, ressourcenleichten Lebensstil, individuell und institutionell.

DIE INITIATOREN

Die Initiatoren sind Mitglieder des Krumbacher Kreises. Weitere. Informationen und erklärende Hinweise finden sich hier. Hier geht es zur Liste der Erstunterzeichnenden.

1 Comment

  1. Ilse Kleinschuster

    Oh, wie schön! Da gibt’s ja echte Kooperation!

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