„Truppen und Waffen hat die Welt genug.“ Robert Jungk-Stipendiat Thomas Roithner plädiert für zivile Konfliktbearbeitung

Thomas Roithner war Robert-Jungk-Stipendiat 2017 der Stadt Salzburg und hat in der JBZ zwei Monate lang zum Thema „Zivilmacht Europa“ geforscht und hiefür ein JBZ-Arbeitspapier erstellt. Der Friedensforscher ist Privatdozent für Politikwissenschaft an der Universität Wien und setzt sich in seinem regen publizistischen Wirken für eine zivile Konfliktbearbeitung und den Rückbau der Armeen und Waffenarsenale ein – ganz in der Tradition von Robert Jungk. Sein Kommentar „Raketenzählen der Großmächte in Wien“ anlässlich der atomaren Abrüstungsgespräche zwischen den USA und Russland erschien am 21. Juni in der Wiener Zeitung. Im Standard vom 25. Juni nahm Roithner zur Frage der Reform des Österreichischen Bundesheeres anlässlich eines diesbezüglichen Vorstoßes der Verteidigungsministerin Stellung. Sehr lesenswert (hh).

Darin heißt es: „Truppen und Waffen hat die Welt genug. Und sie wird – mit Blick auf die Weltuntergangsuhr – jährlich ein Stück unsicherer. Rund um den Globus zeigt sich: Es fehlt Vertrauen, es werden zu wenige zivile Werkzeuge eingesetzt, und die Welt schaut nicht selten erst dann, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Genau hier soll Österreich mehr konstruktive Beiträge leisten, statt mit dem vorhandenen Budget Panzer zu unterhalten. Die Sicherheit Österreichs erlaubt ein mutiges Neudenken der Mittelverteilung allemal.“

„Braucht es noch österreichische Soldaten?“ Roithner hat einen konkreten Vorschlag: „Den Vereinten Nationen permanent 2000 militärische Experten zur Verfügung zu stellen, die mit einem klaren Mandat für Abrüstung und Humanitäres ausgestattet sind. Ein Vorreiter für das Wichtige: Rüstungskontrolle und Abrüstung wie z. B. das Verbot von Chemie- oder Atomwaffen oder Minenräumung mit Know-how zu unterstützen. Dies stärkt das internationale Gewaltverbot der Uno und schafft Vertrauen in Abrüstungsprozesse. Will Ministerin Tanner Aufgaben tatsächlich nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit gewichten, so ist sicherheitspolitische Vertrauensbildung eine tägliche Aufgabe und das Abfeuern einer Kanone eine Seltenheit. Frieden ist der Ernstfall.“

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