“Plädoyer für eine Republik Europa” | Verleihung des Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung 2019 an Ulrike Guérot

Die Politikwissenschaftlerin und Europavordenkerin Ulrike Guérot erhielt auf Vorschlag der Robert-Jungk-Bibliothek den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung 2019. Weit über hundert Interessierte folgten der Preisverleihung am 13. November 2019 im ORF-Publikumsstudio Salzburg. Die Laudatio hielt Univ.Prof. Klaus Firlei. Ulrike Guérot stellte ihre Dankesrede unter das Motto „Europa einfach machen“. Den mit 7.500 Euro dotierten Preis überreichten Landesrätin Andrea Klambauer und Landeshauptmannstellvertreter Heinrich Schellhorn. Die Festrede sowie die Laudatio können hier nachgehört werden.

Mit dem Vorschlag einer „Republik Europa“ skizzietre die Preisträgerin eine „notwendige Utopie“, denn wir hätten nur die Wahl zwischen dem Auseinanderfallen der Europäischen Union und einem grundlegenden Wandel, so Univ. Prof. Klaus Firlei, Sprecher der Jury, in seiner Laudatio. In der Dankesrede betonte die Preisträgerin die Dringlichkeit des Handelns. Wer Europa gegen die Populisten verteidigen wolle, müsse etwas Neues anbieten. Eine Europäische Republik würde die Ergänzung des Binnenmarktes durch gemeinsame soziale Rechte, einen tatsächlichen europäischen Parlamentarismus bei gleichzeitiger Stärkung der Regionen bedeuten, so Guérot. Europäische Demokratie, Rechtsgleichheit und kulturelle Vielfalt bei normativer Einheit nannte die Preisträgerin als Merkmale einer europäischen Republik. In Anspielung auf Salzburg als Land der Musik sprach Guérot von einem „europäischen Sinfonieorchester mit vielen unterschiedlichen Instrumenten,aber einer gemeinsamen Partitur.“

Landesrätin Andrea Klambauer gratulierte der Preisträgerin für ihren Mut und die Konsequenz, mit der sie für ein geeintes Europa eintritt. Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn ergänzte, dass es Aufgabe der Politik sei, Zukunftskonzepte für ein erneuertes Europa wie jenes von Frau Guérot mehrheitsfähig zu machen. Stefan Wally von der JBZ, der durch den Abend führte, verwies auf die Bedeutung des Preises im Kontext einer kreativen Zukunftsforschung im Sinne Robert Jungks, der es um neue Ideen gehe. Beim anschließenden Umtrunk auf Einladung des Landes Salzburg bestand die Möglichkeit zum Austausch. Die Preisträgerin signierte zahlreiche Bücher.

Bereits am Nachmittag fand in der JBZ ein Workshop in Kooperation mit der Universität Salzburg statt. Univ. Prof. Max Griller und Dr. Doris Wydra vom Center for European Union Studies der Universität Salzburg sowie Univ. Prof. Klaus Firlei, Sprecher der Jury und Vorsitzender der Robert-Jungk-Stiftung und Hans Holzinger von der JBZ diskutierten mit der Preisträgerin über die Zukunft Europas.

Der Preis erfuhr auch ein gutes mediales Echo: Neben einem Bericht auf Salzburg heute des ORF erschien ein ganzseitiges Interview mit der Preisträgerin von Helmut Müller in den Salzburger Nachrichten.

Zur Preisträgerin: Univ. Prof.in Dr.in Ulrike Guérot Politikwissenschaftlerin, lehrt an der Donauuniversität Krems und leitet dort das Department für Europapolitik und Demokratieforschung. Sie ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Vereinigungen zum Thema Europa. Große Wirkung geht von ihren breit rezipierten Büchern aus. Vor ein paar Wochen erschienen ist das jüngste Werk „Was ist die Nation?“, ein Essay, der an einen früheren Essay „Wie hältst du es mit Europa?“ anschließt. Breit wahrgenommen wurde auch ichr Buch „Warum Europa eine Republik werden muss. Eine politische Utopie“ (2016) sowie „Der neue Bürgerkrieg – das offene Europa und seine Feinde“ (2017)

Zum Preis: Der Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung wird alle drei Jahre vom Land Salzburg auf Vorschlag der Robert-Jungk-Bibliothek an eine Persönlichkeit vergeben, „die sich in herausragender Weise um zukunftsweisende Ideen verdient gemacht hat.“

Dank: Wir danken allen Mitwirkenden und Beteiligten: den Büros von LHStv. Heinrich Schellhorn und Landesrätin Klambauer für die gute Zusammenarbeit in der Organisation der Preisverleihung, dem ORF für die Gastgeberschaft, der Rupertusbuchhandlung für die Ausrichtung des Büchertisches, der Universität für den gemeinsamen Workshop, den Kolleginnen für die Unterstützung in der Organisation, nicht zuletzt dem Vorstand der Robert-Jungk-Stiftung für die interessanten Diskussionen im Rahmen der Jurysitzung.

LR Andrea Klambauer und LH-Stv. Heinrich Schellhorn überreichten in der Robert Jungk-Bibliothek den Landespreis für Zukunftsforschung 2019 an Univ.-Prof. Ulrike Guérot (l.).
Überreichung des Landespreises für Zukunftsforschung 2019 an Univ.-Prof. Ulrike Guérot.(2.v.rechts) in der Robert Jungk Bibliothek. Im Bild von links: Jurymitglied Univ. Prof. Klaus Firlei , Hans Holzinger (Robert Jungk Bibliothek), Preisträgerin Guérot und Stefan Wally (Geschäftsführer der Robert Jungk Bibliothek). Salzburg, 13. November 2019. Foto: Land Salzburg/Neumayr

Bericht: Hans Holzinger, Fotos: Reinhard Geiger (1-4), Land Salzburg / Franz Neumayr (5-6)

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